{"id":715,"date":"2020-09-29T14:53:48","date_gmt":"2020-09-29T14:53:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.junia-swan.at\/?p=715"},"modified":"2020-09-30T09:27:30","modified_gmt":"2020-09-30T09:27:30","slug":"ein-unbelehrbarer-captain-leseprobe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.junia-swan.at\/?p=715","title":{"rendered":"Ein unbelehrbarer Captain &#8211; Leseprobe"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain4-1024x585.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-716\" width=\"256\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain4-1024x585.jpg 1024w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain4-300x171.jpg 300w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain4-768x439.jpg 768w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain4-105x60.jpg 105w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain4.jpg 1050w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Um einen Mann zu bezwingen, bedarf es der Muskelkraft von zwei bis drei w\u00fcrdigen Gegnern. Oder des s\u00fc\u00dfen L\u00e4chelns eines M\u00e4dchens. In Eamon Mac Guaires Fall brauchte es daf\u00fcr nicht weniger als ein ordentliches Schiff, eine aufgepeitschte See und einen Sturm, der die Segel von der Takelage riss und mit seiner schneidenden Kraft zerfetzte. Mit einem Arm an den Masten geklammert, die schwankenden Planken unter seinen F\u00fc\u00dfen, zornerf\u00fcllt ins Auge des Orkans blickend, br\u00fcllte er, bis er heiser war. Regen klatschte kalt in sein Gesicht, die halblangen Haare zuckten wie Schlangen in dem vernichtenden Luftsog. Blitze schlugen in die meterhohen Wellen um ihn herum ein, die in der Dunkelheit wie Pech schimmerten. Dieses kr\u00e4ftezehrende Ringen mit den Naturgewalten half ihm, wieder zur Besinnung zu kommen. \u00dcber zehn Jahre lang hatte er sich in eine Welt zur\u00fcckgek\u00e4mpft, die ihm alles genommen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hafen von Galway lag beschaulich vor ihm, als\ner den Zweisp\u00e4nner anhielt und sich umsah. Nebel kroch vom Meer her an Land und\nverhalf dem einbrechenden D\u00e4mmerlicht zu einem b\u00fchnenreifen Auftritt. Eamon\natmete tief ein. Wenn er sich recht erinnerte, hatte Steel in seinem Brief\ngeschrieben, dass er einem rechtsabgehenden Weg folgen m\u00fcsse, um sein Ziel zu\nerreichen. Auffordernd lie\u00df er die Z\u00fcgel auf die R\u00fccken seiner beiden Pferde\nschnalzen und lenkte das Gespann in die angegebene Richtung. Galway war ein\nkleiner Ort, den er bald hinter sich gelassen hatte. Die Stra\u00dfe verlief entlang\nfelsiger Klippen und stieg minimal an. Das Anwesen der Steels lag nicht weit\nvom Stadtzentrum entfernt und doch abgeschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eamon vor einem herrschaftlichen Landsitz von\nseinem Wagen sprang, waren Galway und das Meer vom Nebel verschluckt worden.\nDeshalb blieb dem Ank\u00f6mmling nur, sich die Umgebung in seiner Fantasie\nauszumalen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Die schattenhaften Umrisse\nlie\u00dfen vermuten, dass es sich bei Devon Park um ein weitl\u00e4ufiges Anwesen\nhandelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Stallbursche kam auf ihn zu und nahm ihm die\nZ\u00fcgel ab. \u201eWillkommen auf Devon Park, Sir.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDanke.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zum breiten Eingangsportal zupfte er\ndie dunklen Lederhandschuhe von seinen Fingern. Bevor er den Arm heben konnte,\num den T\u00fcrklopfer zu bet\u00e4tigen, wurde die T\u00fcr ge\u00f6ffnet. Ein vornehm gekleideter\nDiener gab ihm den Weg frei und verbeugte sich. \u201eCaptain Mac Guaire, wie ich\nannehme?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKorrekt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte tretet ein. Ich werde Euch sofort zum Earl\nf\u00fchren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eamon setzte den Hut ab und verstaute seine\nHandschuhe darin, reichte beides dem Major Domus, der ihm sogleich den Mantel\nabnahm. Nachdem dieser die Kleidungsst\u00fccke des Gastes an einen Diener\nweitergegeben hatte, wandte er sich dem Kapit\u00e4n zu. \u201eWenn Ihr mir bitte folgen\nw\u00fcrdet?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGerne.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie durchquerten eine hohe Eingangshalle, deren\nW\u00e4nde Gem\u00e4lde l\u00e4ngst verstorbener Familienmitglieder zierten. Doch der\nstattliche Besucher w\u00fcrdigte sie keines Blickes, sondern konzentrierte sich auf\ndas vor ihm liegende Gespr\u00e4ch. Dabei schien es, als w\u00fcrde eine steile Falte auf\nseiner Stirn diese in der Mitte spalten. Es galt, einen k\u00fchlen Kopf zu\nbewahren, wenn er Steel gegen\u00fcbertrat. Davon hing alles ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, wundervoll! Mutter, Mutter!\u201c, rief eine\nweibliche Stimme und ehe der Captain die Situation erfassen konnte, schoss eine\njunge Dame um die Ecke. Der Diener reagierte, im Gegensatz zu dem\nachtungsgebietenden Gast, geistesgegenw\u00e4rtig und sprang zur Seite. Doch Eamon,\nzu \u00fcberrascht, war nicht schnell genug und sp\u00fcrte einen weichen K\u00f6rper, der mit\nseinem zusammenprallte. Entgeistert schnellten seine Augenbrauen in die H\u00f6he\nund er musterte eine junge Frau, die vor ihm zur\u00fcckwich und ihre Augen tastend\n\u00fcber seinen Oberk\u00f6rper aufw\u00e4rts wandern lie\u00df, bis sie auf seinen Blick traf und\ndiesen verbl\u00fcfft erwiderte. Der Ansatz ihrer porzellanfarbenen Br\u00fcste, welcher\nvon einem spitzenbesetzten Dekolletee eingerahmt wurde, hob und senkte sich\naufgeregt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerzeiht, Sir\u201c, murmelte sie und err\u00f6tete. \u201eMir\nwar nicht bekannt, dass wir Besuch haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs war mein Fehler\u201c, entschuldigte sich Mac\nGuaire sofort und verbeugte sich h\u00f6flich. \u201eEamon Mac Guaire, mit Verlaub.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAbbeygail Steel\u201c, l\u00e4chelte sie verschmitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch freue mich au\u00dferordentlich, Eure\nBekanntschaft zu machen\u201c, erkl\u00e4rte der gro\u00dfe Mann und blinzelte, als ihm\nbewusst wurde, dass er nach all den Jahren zu guter Letzt aufgesp\u00fcrt hatte,\nwonach er suchte.<em> Sie<\/em> war es. Das \u00fcberschw\u00e4ngliche Temperament, ihr\nhellbraunes Haar, die dunkelgr\u00fcnen Augen, die Gr\u00fcbchen, die sich in ihren\nWangen bildeten, wenn sie l\u00e4chelte: Adeen. Er hatte sie gefunden. Endlich. Nach\njahrelanger Suche.<\/p>\n\n\n\n<p>Von seinem Blick verunsichert, wich sie weiter\nzur\u00fcck und senkte den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGanz meinerseits\u201c, erwiderte sie eilig und er\ntrat beiseite, damit sie ihren Weg fortsetzen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdenklich blickte er ihr sekundenlang nach,\ndann wandte er sich dem Diener zu, der ihren Wortwechsel schweigend verfolgt\nhatte. Ohne Aufforderung drehte sich der Butler um und sie setzten ihren Weg\nfort.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eCaptain Mac Guaire, endlich\nlernen wir uns kennen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Steel erhob sich schwerf\u00e4llig aus einem breiten\nStuhl, umrundete den imposanten Mahagoni-Schreibtisch und streckte ihm eine\nHand entgegen. Eamon griff zu und sch\u00fcttelte diese, darum bem\u00fcht, sich seine\nAbneigung gegen\u00fcber dem Gastgeber nicht anmerken zu lassen. Der Earl hatte Fett\nangesetzt, was zweifellos das angenehmste \u00dcbel an ihm war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist \u00fcberaus freundlich von Ihnen, dass Sie\nmich empfangen, Lord Ranfurly. Ich habe viel von Euch geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch hoffe nur Gutes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Steel bot ihm mit einer Geste an, sich zu setzen,\nund der Captain kam der stummen Aufforderung schweigend nach. Nachdem er ihn\neine Zeitlang gemustert hatte, meinte der Lord interessiert: \u201eEuer Ruf eilt\nEuch voraus, Mac Guaire. Ihr besitzt nicht nur die einflussreichste und gr\u00f6\u00dfte\nReederei Irlands, sondern zugleich die sicherste. Wie lautet Euer\nErfolgsrezept?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMinimales Risiko\u201c, erwiderte Eamon schlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAha, das klingt aus Sicht des Befrachters in\nhohem Ma\u00dfe vern\u00fcnftig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der j\u00fcngere Mann l\u00e4chelte knapp, doch seine Augen\nblickten unver\u00e4ndert kalt. \u201eSo ist es. Bis jetzt habe ich weder Schiff noch\nFracht verloren. Eure Waren sind demnach bei mir in besten H\u00e4nden. Worum\nhandelt es sich, wenn ich fragen darf?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Steel st\u00fctzte die Ellbogen auf dem Tisch ab und\nlegte die Fingerkuppen aneinander, dabei verengte er die Augen, um sein\nGegen\u00fcber pr\u00fcfend zu mustern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm keltischen Goldschmuck. Ich besitze eine\nGoldmine in Curraghinalt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eamon lie\u00df sich nicht anmerken, dass er davon\nausging, zu wissen, woher der Mann das Geld f\u00fcr deren Erwerb genommen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd wohin soll der Schmuck verschifft werden?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn die Neue Welt. Nach Nordamerika.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kapit\u00e4n l\u00fcpfte eine Augenbraue, nickte\nsinnend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eK\u00f6nnt Ihr mir ein lukratives Angebot\nunterbreiten?\u201c, wollte der Earl mit dem n\u00e4chsten Atemzug wissen und Eamon lehnte\nsich im Stuhl zur\u00fcck. \u00dcberlegte und massierte dabei sein kantiges Kinn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun ja, eine Fracht dieser G\u00fcte \u00fcber eine derart\ngro\u00dfe Distanz zu transportieren, hat seinen Preis.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch hoffe, einen erschwinglichen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder verbarg der Reeder seine Vermutung, dass\nGeld f\u00fcr den Grundbesitzer eine untergeordnete Rolle spielte. Zweifellos war\nGeiz der Antrieb des Adligen, welcher ihn dazu bewog, den Preis zu dr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch offeriere Euch ein faires Angebot\u201c,\nerwiderte Mac Guaire n\u00fcchtern. \u201eWie es der Zufall will, habe ich ein Anliegen.\nWenn Ihr mich dabei unterst\u00fctzt, kommen wir mit Sicherheit ins Gesch\u00e4ft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr habt ein Anliegen, Captain? So lasst h\u00f6ren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs betrifft Eure Tochter Abbeygail.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAbbey?\u201c \u00dcberrascht setzte sich der Adlige\naufrecht hin. \u201eWoher kennt Ihr sie?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch begegnete ihr vor wenigen Minuten auf dem\nFlur.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das linke Augenlid des Earls zuckte, w\u00e4hrend er\nsein Gegen\u00fcber eindringlich musterte. \u201eIch ahne, welches Ansinnen Ihr an mich\nstellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr seid ein schlauer Mann, Mylord. Ja, ich\nhalte um die Hand Eurer Tochter an. Vorausgesetzt, es widerstrebt ihr nicht,\nmich zum Gatten zu nehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Steel senkte seine Arme und strich\ngedankenversunken mit den Fingerkuppen \u00fcber die glattpolierte Tischplatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas wird es nicht. Sie ist unsere vierte Tochter\nund Ihr w\u00e4rt eine angemessene Partie f\u00fcr sie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTrotzdem w\u00fcrde ich sie gerne, Euer\nEinverst\u00e4ndnis vorausgesetzt, pers\u00f6nlich fragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch werde ein Treffen mit ihr arrangieren.\nSprecht am morgigen Nachmittag vor.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVielen Dank.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Earl nickte und tippte mit dem Zeigefinger\nauf ein vor ihm liegendes Dokument.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLasst uns den Vertrag aufsetzen, den wir morgen,\nnach der Zustimmung meiner Tochter, unterzeichnen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eamon atmete erleichtert aus und setzte sich\nwieder aufrecht hin.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00dcberaus gerne\u201c, stimmte er zu und verschob die\nTr\u00e4ume, seine Zukunft betreffend, auf sp\u00e4ter. Ihm blieben eine ganze Nacht und\nein halber Tag, um sich vorzustellen, wie gl\u00fccklich er mit Adeen werden w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr treibt Euren Spa\u00df mit mir,\nVater\u201c, kicherte Abbey am n\u00e4chsten Vormittag und sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eWir\nhaben nicht mehr als drei Worte miteinander gewechselt. Er kennt mich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOffenbar hat dies gen\u00fcgt, um ihn von dir einzunehmen.\nEs ist mir ernst, Kind. Captain Mac Guaire begehrt dich zur Frau und ich finde\nnichts, was dagegen sprechen w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das L\u00e4cheln auf des M\u00e4dchens Gesicht erlosch und\nes kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAbgesehen davon kommt er mir, deine Zustimmung\nvorausgesetzt, gesch\u00e4ftlich deutlich entgegen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber er ist nur ein Reeder und au\u00dferdem Ire.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin \u00fcber die Ma\u00dfen wohlhabender Werftbesitzer,\ndem die Welt nicht fremd ist. Obendrein sieht er doch recht manierlich aus,\nfindest du nicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey hob eine Hand und spielte mit einer Locke,\ndie sich aus ihrer Frisur gel\u00f6st hatte. \u201eHm\u201c, murmelte sie gedankenversunken.\n\u201eWie reich ist er?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUngemein verm\u00f6gend. Ich glaube nicht, dass du\nbei ihm Mangel leiden wirst. Vermutlich wird er dich mit Schmuck und Kleidern\n\u00fcberh\u00e4ufen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Augen der jungen Frau blitzten begeistert\nauf. \u201eWird er mit mir w\u00e4hrend der Saison in London wohnen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVermutlich. Er ist Gesch\u00e4ftsmann und\nzweifelsfrei st\u00e4ndig auf der Suche nach neuen Kontakten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWird er mir ein Scho\u00dfh\u00fcndchen und eine Katze\nkaufen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum nicht? Allerdings solltest du ihn das\nsp\u00e4ter selbst fragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey seufzte. \u201eEr sieht nur etwas langweilig\naus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDieser Umstand d\u00fcrfte sich positiv auf dich\nauswirken. Vermutlich wirst du deinen eigenen Interessen fr\u00f6nen k\u00f6nnen und er\nwird dich nicht an den von dir geplanten Unternehmungen hindern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, tats\u00e4chlich?\u201c \u00dcberw\u00e4ltigt vor Freude hob die\njunge Frau ihre Hand und legte sie \u00fcber ihr Herz. \u201eWie wundervoll! Ich werde\nGesellschaften geben, B\u00e4lle besuchen, mich am\u00fcsieren, Kleider bestellen und\ndurch den Park flanieren, ganz und gar, wie es mir beliebt. Ich kann mir nichts\nSch\u00f6neres vorstellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Earl l\u00e4chelte erleichtert. \u201eH\u00f6r dir an, was\ner dir anzubieten hat, und wenn er dir nicht g\u00e4nzlich zuwider ist, erwarte ich,\ndass du seinen Antrag annimmst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbeys Mundwinkel hoben sich, sie nickte und\nknickste. Dann tanzte sie aus dem Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Eamon Mac Guaire war ein ernster\nMann, mit stechenden Augen, in denen W\u00e4rme aufstieg, wenn sie auf ihr ruhten.\nAbbey \u00fcberlegte, wie es zu seiner Gunst ihr gegen\u00fcber gekommen war. Die\nSalont\u00fcre blieb offen, als sie n\u00e4hertrat und ihm die Hand reichte. Er beugte\nsich galant dar\u00fcber, ber\u00fchrte sie aber nicht mit seinen Lippen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVielen Dank, dass Ihr mich empfangt\u201c, sagte er\nfreundlich, nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte und sie wohlwollend\nbetrachtete.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist mir eine Freude. Bitte, nehmt Platz.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er setzte sich auf einen weich gepolsterten\nArmsessel und Abbey sank ihm gegen\u00fcber auf ein Sofa.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun, ich vermute, Euer Vater hat mit Euch \u00fcber den\nGrund meines Besuches gesprochen\u201c, er\u00f6ffnete der Captain nach einer Minute des\nverlegenen Schweigens das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas hat er\u201c, erwiderte Abbey und eine leichte\nR\u00f6te f\u00e4rbte ihre Wangen. Sie verschr\u00e4nkte die Finger in ihrem Scho\u00df und senkte\nden Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDarf ich, da Ihr mich empfangt, davon ausgehen,\ndass Ihr meinem Ansuchen gegen\u00fcber nicht abgeneigt seid?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist korrekt\u201c, fl\u00fcsterte sie und sah wieder\nauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Er atmete tief ein, l\u00e4chelte und sekundenlang\nstockte ihr Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eM\u00f6glicherweise sollte ich kurz etwas zu meiner\nPerson sagen?\u201c, schlug er vor und sie nickte. \u201eGut. Wie Euch gewiss zu Ohren\ngekommen ist, besitze ich Irlands gr\u00f6\u00dfte Reederei sowie eine Werft in Dublin.\nZehn Jahre lang fuhr ich zur See, die letzten drei in der Position des\nCaptains. Zugunsten der Handelsgesellschaft bin ich sesshaft geworden und\nbefehlige nur mehr sporadisch die Mannschaft eines Schiffes bei einer\n\u00dcberfahrt.\u201c Sein Blick hielt sie gefangen, als er eine kurze Pause einlegte.\n\u201eIch nenne H\u00e4user in Dublin, London, Brighton und New York mein Eigen und wenn\nIhr es w\u00fcnscht, erwerbe ich eines in Galway, damit Ihr Eure Familie, wann immer\nIhr es begehrt, besuchen k\u00f6nnt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ungl\u00e4ubig musterte Abbey ihr Gegen\u00fcber. Das klang\nalles zu erfreulich, um wahr zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn Ihr Euch dazu entschlie\u00dft, meine Frau zu\nwerden, verspreche ich, jeden Eurer W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen. An Eurer Garderobe wird\nnichts fehlen und sie wird durch passenden Schmuck komplettiert. Ich werde Euch\njegliche Freiheiten, innerhalb des Rahmens der Schicklichkeit, einr\u00e4umen und\nEuch freie Hand bei der Gestaltung Eurer Tage gew\u00e4hren\u201c, fuhr er fort und ihr\nMund \u00f6ffnete sich ungl\u00e4ubig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo war der Haken? Weshalb begehrte ein Mann wie\nder Captain, ihr die Welt zu F\u00fc\u00dfen zu legen, ohne eine Gegenleistung zu\nverlangen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie klingt das f\u00fcr Euch?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch &#8230; ich &#8230; bin etwas &#8230; \u00fcberw\u00e4ltigt,\ngelinde gesagt, und ich frage mich, was Ihr im Gegenzug von mir erwartet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sein L\u00e4cheln vertiefte sich, er hob eine Hand und\nstrich mit den Fingerkuppen \u00fcber den modernen und akkurat gestutzten Backenbart\nseiner linken Wange.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNicht viel, eine Kleinigkeit\u201c, erkl\u00e4rte er und\nseine Augen verdunkelten sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Angespannt setzte sich Abbey aufrechter hin.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch w\u00fcnsche, dass Ihr mich mit Eames ansprecht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die junge Frau runzelte verwirrt die Stirn. Das\nwar nicht schwer. Er scherzte h\u00f6chstwahrscheinlich!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd wenn Ihr lacht, verlange ich, dass Ihr die\nNase kraust.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Nase krausen. K\u00f6nnt Ihr Euch das\nangew\u00f6hnen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das war ein \u00fcberaus merkw\u00fcrdiger Wunsch.\nProbehalber r\u00fcmpfte sie die Nase und er nickte erfreut. \u201eGenau so. Werdet Ihr\nmir den Gefallen tun?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNat\u00fcrlich\u201c, murmelte sie und wartete darauf,\ndass er endlich mit der Bedingung herausr\u00fcckte, die zu erf\u00fcllen, mit Sicherheit\neinen hohen Preis von ihr erfordern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJeden Abend, bevor wir zu Bett gehen, w\u00fcnsche\nich, dass Ihr mit mir tanzt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch soll tanzen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, mit mir. Einen Tanz. Jeden Abend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ratlos legte sie den Kopf schief und musterte\nihn. Sie wurde nicht schlau aus dem Mann. Doch auch dieser Wunsch war leicht zu\nerf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Ordnung\u201c, stimmte sie zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZu guter Letzt werde ich Euch Adeen nennen. Das\nist alles.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAdeen?\u201c, wiederholte sie verst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa. Ihr werdet Euch schnell daran gew\u00f6hnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jede dieser Bedingungen war an sich abstrus,\nzusammengefasst bereiteten sie ihr latentes Unbehagen. Da sie auf dem Sofa\nnicht l\u00e4nger stillzusitzen vermochte, erhob sie sich und schritt im Zimmer auf\nund ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd sonst verlangt Ihr nichts?\u201c, wollte sie\nungl\u00e4ubig wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKeine weiteren Bedingungen. Das ist alles.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gedanken kreisten in ihrem Kopf und es war\nunm\u00f6glich, einen von ihnen fangen und festhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKauft Ihr mir ein Scho\u00dfh\u00fcndchen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn Ihr es w\u00fcnscht, selbstverst\u00e4ndlich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWerden wir w\u00e4hrend der Saison in London wohnen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er runzelte die Stirn und sein freundliches\nL\u00e4cheln erstarb. \u201eNicht jedes Jahr und wenn, nicht \u00fcber den gesamten Zeitraum.\nAber wir werden eine f\u00fcr beide Seiten zufriedenstellende Einigung finden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das war ein Kompromiss, mit dem sie zu leben\nvermochte. Wom\u00f6glich k\u00f6nnte sie ihn ja dazu \u00fcberreden, sie allein in London\nwohnen zu lassen, sollte er es vorziehen, die Zeit in einem der anderen H\u00e4user\nzu verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Ordnung\u201c, murmelte sie und hielt in ihrer\nWanderung inne, drehte sich zu ihm und sah ihn an.<\/p>\n\n\n\n<p>Fragend blickte er zu ihr auf und sie entdeckte\nBesorgnis in seinen Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch nehme Euren Antrag an\u201c, erkl\u00e4rte sie fest\nund beobachtete, wie Erstaunen, Erleichterung und Freude in schneller Abfolge\n\u00fcber sein Gesicht zuckten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Schwung erhob er sich, trat zu ihr, nahm ihre\nH\u00e4nde in seine und sank vor ihr auf ein Knie herab. Er beugte den Kopf und\nseine Stirn ber\u00fchrte ihren Handr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch danke Euch! Ihr macht aus mir einen zutiefst\ngl\u00fccklichen Mann!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Unbehaglich bemerkte sie, dass er sich nicht\nbewegte und sie atmete erleichtert aus, als er sich endlich erhob.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr werdet es nicht bereuen, Liebes\u201c, versprach\ner ger\u00fchrt und seine Augen verfingen sich in ihren.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorsichtig entzog sie ihm ihre H\u00e4nde und brachte\nAbstand zwischen sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch werde bei Eurem Vater vorsprechen und alles\nWeitere mit ihm kl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey nickte, er verbeugte sich knapp,\nverabschiedete sich und lie\u00df sie verdutzt hinter sich zur\u00fcck.<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Die Hoffnung war\nerstickt, ihr jemals wieder zu begegnen \u2026<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>Zwei Monate vergingen, in denen\nsich Abbeys Leben komplett \u00e4nderte. T\u00e4glich probierte sie neue Kleider an,\ndarunter ihr Brautkleid, und w\u00e4hlte die passenden Accessoires aus. Wie\nversprochen hatte Mac Guaire ein Haus in Galway erstanden und sie \u00fcbernahm die\nAufgabe, dieses, mit Hilfe verschiedener Innenausstatter, einzurichten. In dem\nriesigen Saal ihres Elternhauses sollte die Hochzeitsfeier ausgerichtet werden\nund Abbey schwirrte der Kopf von den Entscheidungen, die sie zu treffen hatte.\nZum Gl\u00fcck standen ihr ihre Mutter und ihre beiden \u00e4ltesten Schwestern beherzt\nzur Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>T\u00e4glich wurde ein Blumenstrau\u00df geliefert, einer\nerlesener als der andere, und die junge Braut konnte kaum fassen, wie\nausgezeichnet sie es getroffen hatte. Zweifellos war Mac Guaire gro\u00dfz\u00fcgig \u2013 ein\nangenehmes Merkmal an einem Mann. Bis jetzt hielt er alles, was er ihr\nversprochen hatte. Deswegen \u00fcbte sie jeden Tag vor dem Spiegel das L\u00e4cheln mit\ngekrauster Nase und sah dar\u00fcber hinweg, dabei erwiesen d\u00e4mlich auszusehen. Doch\nwenn es ihm gefiel, w\u00fcrde sie ihm diesen Dienst erweisen. Es war ein kleines\nEntgegenkommen und nicht der Rede wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tag vor der Hochzeit reiste\nMac Guaire aus Dublin an und lie\u00df sich von seiner jungen Verlobten durch das\nHaus f\u00fchren, in welches er im Laufe der folgenden Stunden einziehen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist tadellos geworden\u201c, strahlte er\nbegeistert und Abbey err\u00f6tete angesichts seines \u00dcberschwanges. \u201eGeradezu\nbrillant! Du hast ein ausgezeichnetes Gesp\u00fcr f\u00fcr ansprechende Arrangements!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er griff nach ihren H\u00e4nden und dr\u00fcckte sie\nz\u00e4rtlich, versank in ihrem Blick. \u201eAdeen, du kannst dir nicht vorstellen, wie\ngl\u00fccklich ich bin!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die junge Frau blinzelte und wunderte sich \u00fcber\ndie winzige Wolke, die sich bei seinem Lob \u00fcber ihrem Kopf gebildet hatte und\neinen dunklen Schatten auf sie warf. Es \u00e4rgerte sie, dass sie sich von diesem\nSpitznamen derart aus dem Konzept bringen lie\u00df. Sie erwiderte sein L\u00e4cheln und\nzwang sich, dabei die Nase zu r\u00fcmpfen. Im n\u00e4chsten Moment spielte seine\nFingerspitze \u00fcber die kleinen Falten auf ihrem Nasenr\u00fccken und sein L\u00e4cheln\nvertiefte sich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWundervoll, du bist geradezu bezaubernd\u201c, lobte\ner.<\/p>\n\n\n\n<p>Das R\u00e4uspern von Abbeys Zofe lie\u00df ihn zur\u00fcckweichen\nund er strich sich verlegen \u00fcber den \u00c4rmel seines Gehrocks. \u201eVerzeihung. Ich\nhabe kurz vergessen &#8230;\u201c Er wandte sich ab, \u00f6ffnete die Terrassent\u00fcr und trat\nins Freie. Abbey folgte ihm eilig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Parkanlage ist ausgezeichnet gepflegt\u201c,\nstellte er anerkennend fest.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, es ist alles fertig, damit Ihr heute ohne\nProbleme einziehen k\u00f6nnt\u201c, stimmte sie zu und blieb neben ihm stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatten nie dar\u00fcber gesprochen, doch Abbey\nrechnete damit, die Hochzeitsnacht hier zu verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd f\u00fcr unseren ersten Tanz\u201c, f\u00fcgte er\nschw\u00e4rmerisch hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, mein Herr, so ist es.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er nickte und einige Augenblicke lang vermittelte\ner ihr den Eindruck, mit den Gedanken weit weg zu sein. Schon nahm er wieder\neine betont aufrechte Haltung ein. \u201ePerfekt. Jetzt werde ich Euch und Eure Zofe\nnach Devon Park zur\u00fcckbringen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Diener \u00f6ffnete ihnen die Eingangst\u00fcr.\nSchweigend stiegen sie in die wartende Kutsche und Abbey musterte ihren\nzuk\u00fcnftigen Gemahl unter gesenkten Wimpern. Sein dunkelblondes, halblanges Haar\ntrug er zur\u00fcckgek\u00e4mmt, was seinen gepflegten Backenbart blendend zur Geltung brachte.\nSein markantes Kinn war rasiert und gew\u00e4hrte einen freien Blick auf seine\nwohlgeschwungenen Lippen, die zufrieden l\u00e4chelten. Seine Nase war leicht\ngebogen, mit einem kleinen H\u00f6cker. Doch was ihr am besten an ihm gefiel, waren\nseine offenen, blauen Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sp\u00fcrte er ihre Musterung, blickte er sie an\nund zwinkerte ihr zu. Verlegen sah sie schnell weg. Insgeheim stellte sie fest,\ndass sie es viel schlimmer h\u00e4tte treffen k\u00f6nnen. Viel, viel schlimmer. Denn,\nwie es aussah, badete ihre Zukunft in nie verl\u00f6schendem Sonnenschein.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Diners in ihrem\nElternhaus schw\u00e4rmte Mac Guaire ununterbrochen von seiner Braut. Es ging so\nweit, dass es Abbey peinlich wurde. Sie stand gerne im Mittelpunkt, liebte es,\ngelobt zu werden, doch diese Art der anbetenden Huldigung fand sogar sie\n\u00fcbertrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte entschuldigt die \u00fcberschw\u00e4ngliche\nSchw\u00e4rmerei f\u00fcr meine zuk\u00fcnftige Ehefrau\u201c, bat der Captain am Ende des Abends,\nda ihm offenbar nicht entgangen war, wie irritierend er sich verhielt. \u201eEs\nf\u00e4llt mir schwer, zu fassen, dass ich sie wahrhaftig ab morgen mein Weib nennen\ndarf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Milde l\u00e4chelte man, verzieh ihm, und Lord\nRanfurly klopfte ihm sogar verst\u00e4ndnisvoll auf die Schultern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch kann Euch verstehen, Captain. Wenn ein Mann\ndie passende Frau gefunden hat, k\u00f6nnen die Pferde schon mal mit ihm\ndurchgehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor sich die Herren in den Rauchsalon\nzur\u00fcckzogen, verabschiedete sich Abbey von ihrem Br\u00e4utigam. Er beugte sich \u00fcber\nihre Hand und sah ihr in die Augen, nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte.\n\u201eWir sehen uns bald vor dem Traualtar, Liebes\u201c, raunte er ihr zu und Abbeys\nHaut begann zu prickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, hauchte sie, \u201ebis morgen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey konnte vor Nervosit\u00e4t\nnicht einschlafen. Sie sah sich in riesigen Balls\u00e4len, umringt von M\u00e4nnern, die\nsie zum Tanz aufforderten. Beobachtete sich dabei, wie sie volumin\u00f6se Kleider\nvor hohen Spiegeln mit Goldrahmen anprobierte oder beim Tee sa\u00df, einen\nniedlichen Hund auf dem Scho\u00df, den sie gedankenversunken streichelte. Wenn sie\nan Mac Guaire dachte, wurde ihr Herz dagegen schwer. Obwohl er sie mit Zuneigung\nund Geschenken \u00fcberflutete, f\u00fchlte sie, dass etwas fehlte. Aber was es war,\nkonnte sich Abbey nicht erkl\u00e4ren. W\u00e4hrend sie sich zum wiederholten Mal den\nKopf dar\u00fcber zerbrach, schlief sie schlie\u00dflich in den fr\u00fchen Morgenstunden ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl sie bereits nach wenigen\nStunden geweckt wurde, war Abbey hellwach. Der langersehnte, doch auch ein\nwenig gef\u00fcrchtete Tag ihrer Hochzeit war angebrochen. Seit sie ein kleines\nM\u00e4dchen gewesen war, hatte sie sich dieses besondere Fest ausgemalt, in dessen\nMittelpunkt sie selbst stand, gewandet in ein atemberaubend edles Kleid. Und\ngenau so eines tr\u00fcge sie bald. Jede Bewegung, die sie machte, w\u00fcrde einen\nkristallklaren Glitzerregen ausl\u00f6sen, der sie wie eine erlesene Porzellanfigur\nwirken lie\u00dfe. Die letzte Anprobe ihres Brautkleides hatte ihr offenbart, dass\nihre Erwartungen an diesen Tag weit \u00fcbertroffen werden w\u00fcrden. Tausend\nfunkelnde Diamanten waren in den Brustteil des Kleides eingearbeitet worden,\nder Saum des weiten \u00dcberrockes, gefertigt aus der feinsten und durchsichtigsten\nSpitze, die sie jemals gesehen hatte, war ebenfalls mit den teuren Edelsteinen\ndurchwirkt, welche das Licht in schillernde Farben brach. Eamon Mac Guaire hatte\nes sich nicht nehmen lassen, f\u00fcr dieses Kleid aufzukommen \u2013 obwohl es den\ng\u00e4ngigen Sitten zuwiderhandelte. Er hatte unnachgiebig auf diesem Vorgehen\nbestanden, bis ihr Vater eingelenkt hatte. Ihr zuk\u00fcnftiger Gemahl war Abbey ein\nR\u00e4tsel, dennoch war sie ihm insgeheim dankbar f\u00fcr diese Gunst, denn zweifellos\nh\u00e4tte Lord Ranfurly nicht eingesehen, sein halbes Verm\u00f6gen in das\nHochzeitsgewand seiner Tochter zu stecken. Ohne es zu wissen, hatte der Captain\nden M\u00e4dchentraum seiner jungen Braut erf\u00fcllt und Abbey konnte es kaum erwarten,\nendlich hineinzuschl\u00fcpfen. Ihre Geduld wurde hart auf die Probe gestellt, denn\nzuvor wurde sie gebadet, eingecremt und frisiert. Danach half ihr eine Schar\nDienstm\u00e4dchen in die unteren Kleiderschichten. Bevor sie endlich das \u00dcberkleid\nanziehen durfte, musste sie ihre Nervosit\u00e4t in Schach halten und still auf einem\nHocker sitzen, w\u00e4hrend ihr die Zofe, mithilfe silberner diamantbesetzter\nSpangen die Haare aufsteckte. Dabei \u00fcbertraf sie sich selbst. W\u00e4hrenddessen\nkontrollierte ihre Mutter jeden Handgriff mit Argusaugen und scheuchte ihre\nSchwestern mit kleinen Auftr\u00e4gen durchs Haus. Endlich war es so weit und das\nOberkleid wurde vorsichtig \u00fcber ihren Kopf gezogen, an ihrem R\u00fccken geschlossen\nund zurecht gezupft. Ein kleiner Schleier wurde an ihrem Hinterkopf befestigt \u2013\ner w\u00fcrde ihr Gesicht, auf Wunsch des Br\u00e4utigams, nicht verbergen. Als Abbey vor\nden Spiegel trat, hielt sie unwillk\u00fcrlich den Atem an. Es war perfekt!\nPerfekter als perfekt. Sie war \u00fcberzeugt, sogar Englands K\u00f6nigin in den\nSchatten zu stellen.&nbsp; Es war ihr\nunm\u00f6glich, wegzusehen. Mit gro\u00dfen Augen musterte sie sich, hob einen Arm und\nbeobachtete, wie die Juwelen das Licht reflektierten. Sie neigte das Haupt und\ndie Diamanten in ihren Haaren funkelten bezaubernd.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAbbey, es ist Zeit\u201c, sagte ihre\n\u00e4lteste Schwester hinter ihr, doch sie vermochte nicht, sich von ihrem Anblick\nzu l\u00f6sen. Lady Ranfurly trat neben sie, suchte ihren Blick und nahm sie an die\nbehandschuhte Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist wundersch\u00f6n\u201c, stellte\nsie zufrieden fest. \u201eEnthalte dich deinem Br\u00e4utigam nicht l\u00e4nger vor!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die W\u00e4rme der Hand ihrer Mutter\nwar alles, was sie noch wahrnahm, w\u00e4hrend sie in ihrem inneren Staunen versank.\nEs konnte einfach nicht wahr sein. Dies alles: ihr Mann, die Hochzeit, seine\nGeschenke, seine Aufmerksamkeit, der vor ihr liegende Tag. Womit hatte sie ein\nsolches Gl\u00fcck verdient? Nur nebenbei registrierte sie, dass sie ihre\nM\u00e4dchengem\u00e4cher an der Seite ihrer Mutter verlie\u00df, die sie vor das Anwesen\nf\u00fchrte. Drei festlich geschm\u00fcckte Kutschen warteten darauf, die Braut und ihre\nDamen zur Kirche zu fahren. Noch war die weitl\u00e4ufige Einfahrt bis auf die W\u00e4gen\nleer. In wenigen Stunden w\u00fcrde es hier von G\u00e4sten, Dienstboten und\nPferdegespannen wimmeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Glocken l\u00e4uteten, als sie\nsich dem Gotteshaus in der Kutsche n\u00e4herten. Mittlerweile hatte die angespannte\nErregung in ihr \u00fcberhandgenommen und Abbeys Herz stolperte nerv\u00f6s von einem\nSchlag zum n\u00e4chsten. Mit jeder weiteren Umdrehung der schweren R\u00e4der,\nbef\u00fcrchtete sie, in Ohnmacht zu fallen. Das edle Gef\u00e4hrt, die Stra\u00dfen, die\nKirche, alles war \u00fcberschw\u00e4nglich geschm\u00fcckt, Bl\u00fctenbl\u00e4tter lagen auf dem Boden\nverstreut.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Brausen der Orgel, als sie am Arm ihres\nVaters das Kirchengeb\u00e4ude betrat, fuhr unter ihre F\u00fc\u00dfe und Abbey gewann den\nEindruck zu schweben. Menschen, die sich erhoben und ihr entgegenblickten,\nlie\u00dfen sie innerlich vor Nervosit\u00e4t schaudern und gleichzeitig vor Freude\ndar\u00fcber, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, erbeben. Nur fl\u00fcchtig\nentdeckte sie den and\u00e4chtigen Gesichtsausdruck einer ihrer Freundinnen. Langsam\ndurchschritten sie den langen, schmalen Gang, welcher das Kirchenschiff teilte,\nbis sie den Altar erreichten, vor dem Mac Guaire sie erwartete. Er war\naufsehenerregend, gewandet in der Uniform eines Kapit\u00e4ns, welche ihm eine\neinsch\u00fcchternde Autorit\u00e4t verlieh.&nbsp; Seine\nkomplette Aufmerksamkeit galt allein ihr und das erste Mal wurde sie sich\nseines beeindruckenden K\u00f6rpers bewusst. Der Gedanke, ihm in wenigen Stunden zu\ngeh\u00f6ren nistete sich als elektrisierendes Prickeln in ihrem Bauch ein. Zum wiederholten\nMal streifte sie die Frage, wie es ihr gelungen war, ihn im Bruchteil einer Sekunde\nf\u00fcr sich zu gewinnen. Als sie ihn erreichte, meinte sie, seine Augen vor\nR\u00fchrung feucht schimmern zu sehen. Nein, das bildete sie sich mit Sicherheit\nein! Es gab keine M\u00e4nner, die zu solch tiefen Gef\u00fchlen f\u00e4hig waren! Die letzten\nMinuten erschienen der jungen Braut so unwirklich, dass sie immer mehr davon\n\u00fcberzeugt war, zu tr\u00e4umen. Zweifellos w\u00fcrde sie jede Sekunde aufwachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der trance\u00e4hnliche Zustand fiel erst von ihr ab,\nals sie die Kirche an der Seite ihres Gemahls verlie\u00df. Wenige Augenblicke sp\u00e4ter\nsa\u00df sie ihm gegen\u00fcber in der Kutsche, die sie nach Devon Park brachte. Wie aus\nweiter Ferne h\u00f6rte sie die Hochzeitsg\u00e4ste, welche aus der Kirche str\u00f6mten, ihre\nKutschen besteigen, um das Brautpaar in einem feierlichen Zug, den das Gef\u00e4hrt\nder Mac Guaires anf\u00fchrte, zu begleiten. Auf dem gr\u00e4flichen Anwesen war bereits\nalles f\u00fcr den Empfang und die nachfolgende Feier vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Captains Aufmerksamkeit ruhte ununterbrochen\nauf seiner jungen Gemahlin. Da beugte er sich pl\u00f6tzlich vor, rahmte ihr Gesicht\nmit seinen H\u00e4nden ein und zog sie n\u00e4her. Abbeys Puls begann zu rasen. Jetzt\nw\u00fcrde er sie k\u00fcssen. Oh, wie es sich wohl anf\u00fchlte, seine Lippen auf ihrem Mund\nzu sp\u00fcren? Sie schloss die Augen, w\u00e4hrend er sich ihr langsam n\u00e4herte. Sie\nkonnte f\u00fchlen, dass er nur mehr einen Hauch von ihr entfernt war, und \u00f6ffnete\nihren Mund einen Spaltbreit. Seine Lippen waren warm und sanft, als sie sich\nz\u00e4rtlich auf ihre Stirn dr\u00fcckten.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey blinzelte und wich verwundert zur\u00fcck, als\ner sie freigab. Wieso hatte er sie nicht auf den Mund gek\u00fcsst? W\u00fcnschte er,\njegliche Intimit\u00e4ten auf sp\u00e4ter zu verschieben, diese f\u00fcr die erste Stunde\naufzuheben, die sie zu zweit in ihrem neuen Haus verbrachten?<\/p>\n\n\n\n<p>Verwirrt musterte sie ihn, doch er schien nichts\nvon ihrer Ratlosigkeit zu bemerken, denn er l\u00e4chelte sie unver\u00e4ndert freundlich\nan.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEndlich bist du wieder bei mir, Adeen. Da, wo du\nhingeh\u00f6rst\u201c, erkl\u00e4rte er inbr\u00fcnstig und Abbey schauderte. Sein Verhalten war\n\u00e4u\u00dferst seltsam und f\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde war er ihr unheimlich. Um sich\nzu beruhigen, strich sie mit den Handfl\u00e4chen \u00fcber ihre Oberarme.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFrierst du, Liebes?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, Mr Mac Guai&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEames.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie r\u00e4usperte sich. \u201eMir ist nicht kalt, Eames.\nIch bin etwas nerv\u00f6s.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDoch nicht etwa meinetwegen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWegen Euch, der Hochzeit, den unz\u00e4hligen G\u00e4sten\nund meinem neuen Leben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHm, das ist in der Tat eine Menge auf einmal\u201c,\nstimmte er zu und l\u00e4chelte mitf\u00fchlend. \u201eAber du bist stark, du wirst es bew\u00e4ltigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWoher wisst Ihr &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWoher wei\u00dft du, dass ich stark bin? Du kennst\nmich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er lachte auf. \u201eOh doch, ich kenne dich! Besser,\nals du dich selbst, mein kleines Feuer. Das ist dein Name, und eine\nFeuersbrunst vermag das gr\u00f6\u00dfte Hindernis zu bezwingen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber ich hei\u00dfe nicht &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch erinnere mich an jeden Moment, den wir miteinander\ngeteilt haben\u201c, fuhr er unger\u00fchrt fort. \u201eWir werden alles wiederholen und Neues\nschaffen. Adeen, du und ich, wir geh\u00f6ren zusammen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00e4lte in Abbey wurde immer unertr\u00e4glicher und\nlie\u00df ihre H\u00e4nde zittern. Das, was er sagte, ergab keinen Sinn. Hatte er verdr\u00e4ngt,\ndass sie nicht jene Frau war?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchenke mir dein L\u00e4cheln, Liebes, komm, erweise\nmir die Freude!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey biss die Z\u00e4hne zusammen, w\u00e4hrend sie mit\nsich rang. Dann zwang sie sich zu einem L\u00e4cheln.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Nase\u201c, erinnerte er sie und Abbey krauste\ndiese.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Bewegung, die sie jetzt schon aus ganzem\nHerzen hasste. Wen erblickte er vor sich, wenn er sie anschaute? Sie wurde\nimmer sicherer, dass es nicht sie war.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie ihn, ihres Erachtens, lange genug\nangel\u00e4chelt hatte, wandte sie sich ab und starrte aus dem Fenster. In dem\nMoment fuhren sie auf den Hof von Devon Park und die junge Braut hatte den\nEindruck, die Blumen leuchteten nicht mehr so kr\u00e4ftig, wie zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hielt ihre Hand. Die ganze\nZeit, wenn es sich nicht vermeiden lie\u00df, verschr\u00e4nkte er seine Finger mit ihren\nund es gab kein Entkommen f\u00fcr sie. An seiner Seite lauschte sie gef\u00fchlt\ntausenden Menschen, die irgendetwas erz\u00e4hlten, was Abbey nicht interessierte.\nWie ihr auffiel, sprach Eames kaum. Daf\u00fcr h\u00f6rte er den Berichten seiner G\u00e4ste mit\nEngelsgeduld zu. Die junge Braut bef\u00fcrchtete, jede Sekunde einzuschlafen.\nObwohl der Rahmen dieser besonderen Feier, ihre Erwartungen bei weitem \u00fcbertroffen\nhatte, erstarb ihre Freude mit jeder weiteren Minute. Es war ihr unm\u00f6glich eine\nErkl\u00e4rung daf\u00fcr zu finden, weshalb ihr das Gl\u00fcck zwischen den Fingern zerrann.\n\u00c4u\u00dferlich strahlte sie wie ein wertvoller Schatz, doch in ihrem Inneren dehnte\nsich bittere Entt\u00e4uschung aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Musiker endlich zum Tanz aufspielten,\nf\u00fchrte Eamon seine junge Braut auf die Tanzfl\u00e4che. Abbeys Haut prickelte, als\ner ihre Hand in seine nahm, obwohl der feine Stoff ihrer Handschuhe eine\nintimere Ber\u00fchrung verhinderte. Seine W\u00e4rme nahm sie erneut gefangen als g\u00e4be\nes dieses hauchzarte Hindernis aus Stoff nicht und lenkte sie von ihrer Tr\u00fcbsal\nab. Als sein anbetender Blick sekundenlang in ihren Augen versank, bef\u00fcrchtete\nsie, ihre Knie w\u00fcrden unter ihr nachgeben und sie w\u00fcrde vor allen Anwesenden zu\nBoden st\u00fcrzen. Ein Gl\u00fcck, dass sein Griff fest war und ihr das Gef\u00fchl vermittelte,\ndass er sie auffangen w\u00fcrde, egal, was gesch\u00e4he. Leider gestattete die\nSchrittfolge des Menuettes nur selten einen Blickwechsel, meistens schritten\nsie nebeneinander im Kreis oder vollf\u00fchrten eine Drehung. Mit ihm zu tanzen,\n\u00fcbertraf ihre sch\u00f6nsten Fantasien, sodass sie sich f\u00fcr ein paar s\u00fc\u00dfe Minuten\nwie auf einem Fest in einem M\u00e4rchen, kurz nachdem der Drache get\u00f6tet und das\nB\u00f6se besiegt worden war, w\u00e4hnte. Doch als die Melodie verstummte, verpuffte der\nZauber schneller, als er gekommen war, denn Eamon gab seine Braut schon nach\ndiesem ersten Tanz frei. Sie blinzelte, als sie sein Vorgehen zu verstehen\nversuchte, und k\u00e4mpfte darum, die Entt\u00e4uschung, die sich wie ein brutaler\nSchlag auf ihren Brustkorb anf\u00fchlte, niederzuringen. In ihren Tr\u00e4umen hatte ihr\nBr\u00e4utigam w\u00e4hrend der ganzen Nacht mit ihr getanzt und wenn sie doch eine Pause\neinlegten, war er nie von ihrer Seite gewichen. Abbey mied Eamons Blick und schluckte\ndie Tr\u00e4nen hinunter. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, dass er ihr nachsah, als\nsie sich mit einem Tanzpartner entfernte. Der Aufprall in der Realit\u00e4t\nverwundete Abbey schwer, deswegen war sie umso dankbarer f\u00fcr die Ablenkung\ndurch wechselnde Tanzpartner und es gelang ihr bald, den Anlass des Festes zu\nvergessen und den Captain aus ihren Gedanken zu verbannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war weit nach Mitternacht, als er sie von der\nTanzfl\u00e4che holte und bat, sich zu verabschieden. Beklommen tat sie, wie\ngehei\u00dfen, und fand sich Augenblicke sp\u00e4ter in seiner Kutsche wieder, die sie in\nihr neues Haus brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der gesamten Fahrt ruhten seine Augen auf\nihr und Abbeys Unbehagen steigerte sich. Ihr schien, als tastete er jeden Zoll\nihres Leibes and\u00e4chtig ab und sie war dankbar f\u00fcr die unz\u00e4hligen Schichten\nihrer br\u00e4utlichen Garderobe. Ihr graute vor jenem Moment, zu dem sie diese\nabgelegt haben w\u00fcrde, um schutzlos vor ihn zu treten. Wie sie wohl empf\u00e4nde,\nwenn er sie mit den Fingerspitzen ber\u00fchrte, ihr Kinn anhob und sie herrisch\nk\u00fcsste? Die Tatsache, ihm zu geh\u00f6ren und seinem Begehren ausgeliefert zu sein,\nberauschte ihn zweifellos. Ach, w\u00e4re diese besorgniserregende Nacht doch l\u00e4ngst\nvorbei!<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Kutsche hielt, bef\u00fcrchtete sie, dass ihre\nBeine unter ihr wegbrechen k\u00f6nnten. Eamon gewahrte ihre Schw\u00e4che, als g\u00e4be es\nnichts auf der Welt, was ihm wichtiger war, als ihr Wohlergehen. Hilfsbereit\nbot er ihr seinen Arm und st\u00fctzte sie zuvorkommend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist m\u00fcde\u201c, stellte er mitf\u00fchlend fest und\nf\u00fchrte sie ins Innere.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Diener verschloss hinter ihnen die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, das ist wahr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu darfst dich bald zur\u00fcckziehen. Es gibt, wie dir\nbekannt ist, eine einzige Sache, die wir zu erledigen haben, und ich hoffe,\ndass du bis dahin durchh\u00e4ltst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, hauchte sie und wich besch\u00e4mt seinem Blick\naus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Mutter hatte ihr gegen\u00fcber steif und\nwiderwillig die zu erwartenden Vorg\u00e4nge im Ehebett angedeutet und damit die\nLage verschlimmert, nicht entspannt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKomm!\u201c Sanft zog er sie mit sich die Treppe in\nden oberen Stock hinauf und Abbey wurde zum ersten Mal mit aller Konsequenz\nbewusst, dass sie ihren Gemahl nicht kannte. Die Erkenntnis, nicht dazu bereit\nzu sein, mit ihm das Bett zu teilen und ihm zu gestatten, sie anzufassen,\nerf\u00fcllte sie mit Entsetzen. Die letzten Wochen waren rasend schnell vergangen.\nSie hatte ihn, seit sie seinen Heiratsantrag angenommen hatte, dreimal gesehen.\nDas war zu wenig, um ihm zu vertrauen! Himmel, sie w\u00fcrde kreischen, wenn er sie\nauch nur mit einer Faser seines Leibes ber\u00fchrte. Um nicht sofort loszuschreien,\nbiss sie die Z\u00e4hne fest aufeinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Mac Guaire stie\u00df eine T\u00fcr auf und Abbeys K\u00f6rper\nerstarrte. Er schien es nicht zu bemerken, denn er zog sie unbeirrt weiter und\nschloss die T\u00fcr ab. Panisch vor Angst erkannte die junge Braut, dass sie sich\nim Privatsalon des Hausherren befanden. Die davon abgehende T\u00fcr f\u00fchrte in sein\nSchlafgemach. Sie ballte eine Hand zur Faust und k\u00e4mpfte gegen die aufsteigende\n\u00dcbelkeit an.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein, nein, bitte nicht! Bitte, bitte nicht!<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da blieb er stehen, drehte sich zu ihr und\numfasste sie an der Taille. Panisch hielt sie die Luft an, kurz davor, ihn\nanzuflehen, Gnade walten zu lassen. Sanft zog er sie n\u00e4her, bis ihre H\u00fcften\neinander ber\u00fchrten. Nie zuvor war ihr ein Mann so nahe gewesen. Die\n\u00fcberw\u00e4ltigende Pr\u00e4senz seines kraftvollen K\u00f6rpers bewirkte, dass sie sich als\nvollkommen hilflos empfand. Er hatte die Macht, mit ihr zu verfahren, wie es\nihm beliebte, und niemand w\u00fcrde ihr zu Hilfe eilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da hob er eine Hand und sie zuckte zur\u00fcck. Doch\ner f\u00fchrte aus, was er plante und dr\u00fcckte ihren Kopf an seinen muskul\u00f6sen,\nbreiten Brustkorb. Abbey bef\u00fcrchtete, auf der Stelle zu sterben. Ihr Oberk\u00f6rper\nhob und senkte sich in schnellen St\u00f6\u00dfen und stie\u00df die weiche F\u00fclle ihrer Br\u00fcste\ngegen seine Rippen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcrchte dich nicht, Liebes\u201c, fl\u00fcsterte er und\nkitzelte sie mit der Ber\u00fchrung seines Mundes am Scheitel. \u201eDu bist wieder bei\nmir. Das ist alles, was z\u00e4hlt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein,<\/em> schrie es in ihr,<em> ich kenne\ndich nicht! Bitte, hab Erbarmen und gew\u00e4hre mir etwas Zeit, um mich an dich zu\ngew\u00f6hnen! Du bist mir viel zu nahe, ich vermag damit nicht umzugehen! Bitte,\nbitte, sieh ein, dass ich nicht Adeen bin, sondern Abbey, ein M\u00e4dchen, das noch\nnie einen Mann erkannt hat!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4ge begann er sich zu wiegen und sie schloss\nhoffnungslos die Augen. Sie hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass er\nanhob, eine alte und traurige irische Weise zu singen. Seine Stimme war tief und\n\u00fcberraschend angenehm und vibrierte in seiner Brust. Auf ihrer Wange.<\/p>\n\n\n\n<p><em>The water is wide, I\ncannot get o\u2019er.<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>And neither have I the wings to fly.<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Build me a boat that can carry two,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>and both shall row, my love and I.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>O love is handsome and\nlove is fine<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>and loves a jewel while it\u00b4s new<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>But love grows old and waxes cold<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>and fades away like the morning dew.<\/em><a href=\"#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend er sie in den Armen\nhielt und sich langsam mit ihr zu der gef\u00fchlvollen Melodie drehte, beruhigte\nsie sich. Zaghaft legte sie eine Hand auf seine Brust, den anderen Arm schlang\nsie scheu um seine Taille. Nach all dem Trubel, ihrem inneren Tumult und der\n\u00fcberm\u00e4chtigen Verzweiflung, hatte er ihr unverhofft einen friedlichen Ort\nerschaffen. Als er alle Strophen gesungen hatte, l\u00f6ste er sich von ihr, sein Blick\nwar verhangen und sie vermutete, dass er sich gedanklich an einem fernen Ort,\nwom\u00f6glich in einer anderen Zeit aufhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGute Nacht, Adeen\u201c, murmelte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGute Nacht, Eames\u201c, erwiderte sie erleichtert,\nda er nicht l\u00e4nger auf ihrer Anwesenheit bestand.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie eilte zur T\u00fcr, welche in ihre Gem\u00e4cher\nf\u00fchrte, und drehte sich, einer inneren Eingebung folgend, ein letztes Mal zu\nihm um, bevor sie diese hinter sich zuzog. Mac Guaire stand reglos inmitten des\nZimmers und wirkte einsamer, als alle Menschen, die sie jemals gesehen hatte.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain6-1024x585.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-717\" width=\"256\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain6-1024x585.jpg 1024w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain6-300x171.jpg 300w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain6-768x439.jpg 768w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain6-105x60.jpg 105w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain6.jpg 1050w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ihre Zofe weckte sie am sp\u00e4ten Vormittag, beladen mit einem \u00fcberf\u00fcllten Tablett, auf dem auch ein Blumenstrau\u00df in einer Vase stand.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Captain hat darauf bestanden, Euch all dies\nanzubieten\u201c, st\u00f6hnte sie und stellte es auf dem Nachttischchen ab. \u201eEr nimmt\noffenbar an, dass Ihr gefr\u00e4\u00dfig seid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey kicherte, setzte sich auf, streckte sich\nund g\u00e4hnte hinter vorgehaltener Hand, wobei sie das Fr\u00fchst\u00fcck begeistert\nmusterte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eToast und Marmelade und Butter und Geb\u00e4ck\u201c, z\u00e4hlte\nsie voll Vorfreude auf. \u201eSchokoladenkuchen, sehen Sie sich das an, O\u2019Brian! Und\nPralinen! Himmel, ist das tats\u00e4chlich wahr? Und Tee und Kaffee \u2013 beides!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, Mrs Mac Guaire, und Honig ist ebenfalls\nhier, und Lemon Curd und Scones.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey strahlte und fuhr sich \u00fcber den Bauch. \u201eOh,\nwie wundervoll es ist, verheiratet zu sein. Da ich einen Gemahl habe, darf ich\nessen, was ich m\u00f6chte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zofe hob missbilligend die Augenbrauen.\n\u201eJetzt erst recht nicht! Es sollte Euer oberstes Ziel sein, ihn nicht zu verlieren.\nDabei gilt es darauf zu achten, den Gatten nicht mit dem K\u00f6rperumfang zu\n\u00fcberrollen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePah, wie gemein\u201c, schmollte die junge Frau,\nbeugte sich vor und griff nach einem Scone, das sie in Marmelade eintauchte.\n\u201eEr hat mir diese beeindruckende Auswahl geschickt. Demnach will er, dass ich\nalles davon esse. Es w\u00e4re unh\u00f6flich, die H\u00e4lfte zur\u00fcckgehen zu lassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin Mal wird nicht schaden\u201c, gab O\u2019Brian nach\nund seufzte. \u201eDoch morgen gibt es wieder das \u00dcbliche: Ein Sch\u00e4lchen Porridge.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIgitt\u201c, maulte Abbey. \u201eKommen Sie mir nicht\ndamit! Der Brei quillt schon aus meinen Ohren. Ich bin jetzt verheiratet. Ich\nesse in Zukunft Toast.\u201c Sie biss ab und kaute gen\u00fcsslich. \u201eMmh, k\u00f6stlich.\u201c Dann\ndeutete sie auf die Blumen. \u201eEin wahrhaft bezaubernder Strau\u00df. Ich vermutete, mein\nMann w\u00fcrde diese Gewohnheit nach der Hochzeit einstellen. Weit gefehlt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Captain ist ein Gentleman!\u201c, schw\u00e4rmte die\nDienerin und hielt sich eine Hand \u00fcbers Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOder ernsthaft verloren\u201c, merkte Abbey an,\ntunkte das Scone in die Marmelade und biss wieder davon ab. \u201eHat er etwas zu\ndem heutigen Tagesablauf gesagt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, au\u00dfer, dass er informiert werden m\u00f6chte,\nwenn Ihr wach seid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHei\u00dft das, er wei\u00df, dass ich momentan esse?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mundwinkel der Zofe zuckten am\u00fcsiert.\n\u201eAnzunehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey kicherte, schob die F\u00fc\u00dfe \u00fcber den Bettrand\nund griff nach der gef\u00fcllten Kaffeetasse. Kostete, verzog den Mund. \u201ePuh, ist\ndas bitter. Schnell ein Schluck Tee auf das hinauf.\u201c Sie stellte die eine Tasse\nab und nahm die andere. \u201eErheblich besser. Tausendmal besser als dieses europ\u00e4ische\nGebr\u00e4u!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zofe wandte sich ab und verschwand im\nangrenzenden Ankleidezimmer. \u201eWollt Ihr einen Morgenmantel \u00fcberziehen, Mrs Mac\nGuaire?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWozu?\u201c, rief die junge Frau zur\u00fcck und\nbetrachtete eine Praline, die sie zwischen Daumen und Zeigefinger geklemmt\nhatte, voller Vorfreude.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun, Ihr m\u00fcsst jederzeit damit rechnen, dass\n&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Moment klopfte es an der T\u00fcr und Abbey\nkonnte sich die Antwort selbst geben. Doch jetzt war es zu sp\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend O\u2019Brian den Satz beendete: \u201e&#8230; Euch Euer\nGemahl aufsucht.\u201c, trat ebendieser ein und die junge Frau kroch eilig zur\u00fcck\nunter die Decke und zog diese bis zum Kinn empor, wobei sie sich fast an dem\nKonfekt verschluckte. Sie hustete und bemerkte, dass ihr Mann sie sorgenvoll\nbetrachtete, als er n\u00e4herkam.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIst alles in Ordnung, Liebes?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, hust, hust\u201c, keuchte sie und klopfte sich\nmit der Faust auf die Stelle oberhalb ihrer Brust. \u201eDas war die Praline.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh.\u201c Betroffen setzte er sich an den Bettrand\nund betrachtete sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs geht schon wieder\u201c, beruhigte sie ihn, da er\nvon der Situation \u00fcberfordert zu sein schien.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFein.\u201c Seine Augen ruhten nach wie vor auf ihr\nund Abbey w\u00fcnschte, im Boden versinken zu k\u00f6nnen. Sie f\u00fchlte sich wie ein\nseltener Kunstgegenstand, den man ausgestellt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVielen Dank f\u00fcr das delikate Fr\u00fchst\u00fcck und die\nBlumen\u201c, sagte sie, um ihn abzulenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Eamon fuhr bei ihren Worten zusammen, als\nerinnerte er sich einer Sache und tastete sogleich mit einer Hand seine\nGehrocktasche ab. Dann zog er ein schmales K\u00e4stchen hervor und reichte es ihr. \u201eBevor\nich es vergesse, das ist f\u00fcr dich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberrascht nahm sie die Schatulle entgegen und\n\u00f6ffnete sie. Ein kostbares, fein gearbeitetes Armband, dessen Edelsteine im\nLicht blitzten, lag auf dunklem Samt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist atemberaubend\u201c, seufzte sie begeistert.\n\u201eOh, es ist wundersch\u00f6n! Du verw\u00f6hnst mich, Eames.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sie das Federbett vor ihre Brust hielt,\nkniete sie sich hin und beugte sie sich zu ihm. \u201eIch danke dir!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Scheu dr\u00fcckte sie ihm einen Kuss auf die Wange,\ndabei stach sein Bart in ihre Lippen und erg\u00e4nzte ihre sanfte Geste mit einem\nHauch m\u00e4nnlicher Rauheit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNicht der Rede wert, Liebes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er umschloss ihren Oberarm, als sie sich\nzur\u00fcckziehen wollte und hielt sie fest. Deshalb vermochte sie sich nicht\nhinzusetzen und sp\u00fcrte die W\u00e4rme seines K\u00f6rpers deutlich an ihrer Brust. Ihr\nPuls beschleunigte sich, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen konnte. War es\naufsteigende Angst oder ein anderes, unerkl\u00e4rliches Gef\u00fchl?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchenke mir ein L\u00e4cheln\u201c, bat er sehns\u00fcchtig und\nsie verzog die Lippen und krauste die Nase.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seiner freien Hand strich er dar\u00fcber und\nseufzte. \u201eDu bist reizend, Adeen, ist dir das bewusst? Das sch\u00f6nste M\u00e4dchen\nIrlands.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNur Irlands?\u201c, schmollte Abbey.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, des gesamten K\u00f6nigreichs, des Erdkreises.\nKeine kommt dir gleich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEames, du bist ein Poet!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er lachte leise und lockerte den Griff. Sie lie\u00df\nsich zur\u00fccksinken und streckte ihre Beine wieder unter der Decke aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLiebes, ich w\u00fcrde dir die Sterne vom Himmel\nholen, wenn ich k\u00f6nnte\u201c, gestand er ernst.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, das ist kitschig\u201c, winkte Abbey ab und\nverzog den Mund. \u201eWas haben wir heute vor?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas liegt an dir. Was m\u00f6chtest du unternehmen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDar\u00fcber habe ich nicht nachgedacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie legte einen Finger an ihre Lippen und klopfte\nnachdenklich darauf. \u201eWir k\u00f6nnten einen Strandspaziergang machen oder\nausreiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu reitest nicht, Adeen\u201c, lie\u00df er sie wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein?\u201c Abbey zog die Augenbrauen zusammen und\neine steile Falte bildete sich auf ihrem Nasenr\u00fccken. \u201eWie kommst du darauf?\nIch bin eine ausgezeichnete Reiterin. Seit ich f\u00fcnf Jahre alt bin, sitze ich im\nSattel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Gesichtsz\u00fcge verh\u00e4rteten sich. \u201eDu bist nie\ngeritten und jetzt ist der ung\u00fcnstigste Zeitpunkt, um damit zu beginnen. Ich\nverbiete dir, Kopf und Kragen bei einem derart leichtfertigen Unterfangen zu\nriskieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey verschr\u00e4nkte w\u00fctend die Arme vor der Brust.\n\u201eIch kann es nicht mehr h\u00f6ren! Obwohl du mich wie diese Frau nennst, von der\nich nichts wei\u00df, bin ich doch nicht sie. Ich hoffe, das ist dir klar, <em>Eamon<\/em>.\u201c\nBewusst nannte sie ihn bei seinem Geburtsnamen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEames. Wir haben vereinbart, dass du &#8230;\u201c,\nunterbrach er sie ausdruckslos.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEames. Von mir aus! Trotzdem sehe ich nicht &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu reitest nicht. Ich verbiete es.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sekundenlang blickte sie ihn entsetzt an. \u201eDu\nhast versprochen, dass ich anstellen kann, was ich will.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, insofern dies nicht gef\u00e4hrlich ist und gegen\ndie guten Sitten verst\u00f6\u00dft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bestehe darauf, heute auszureiten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAdeen, sei nicht so st\u00f6rrisch! Das kann doch\nnicht wahr sein! Dein Verhalten ist inakzeptabel. Ich bin dein Gemahl und ich\nhabe meine Meinung &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will ausreiten. Heute! Komm mit mir!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Entgeistert musterte er sie und sie meinte zu\nerkennen, dass er \u00fcberlegte, wie es zu dieser offenen Rebellion gekommen war.\nEr sch\u00fcttelte den Kopf, als wollte er sich der Realit\u00e4t entledigen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMeinetwegen\u201c, seufzte er und sie unterdr\u00fcckte\neinen Jubelschrei. \u201eAber wir werden es langsam angehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, ja.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Blick wanderte zum Tablett. \u201eDarf ich dir\netwas reichen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDen Schokoladenkuchen bitte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er langte nach dem Teller und hielt ihr diesen\nhin.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDanke.\u201c Mit spitzen Fingern nahm sie den Kuchen\nauf und biss hinein. \u201eDu hast eine ausgezeichnete K\u00f6chin!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVielen Dank f\u00fcr das Kompliment. Meine reizende\nGemahlin hat sie eingestellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStimmt\u201c, kicherte Abbey. \u201eIch begl\u00fcckw\u00fcnsche\nEuch zu Eurer Gattin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er lachte auf und erhob sich. \u201eJa, sie war ein\nGl\u00fccksgriff. Wenn du fertig f\u00fcr unseren Ausflug bist, komm in den unteren\nSalon. Ich werde dich dort erwarten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, Captain.\u201c Sie l\u00e4chelte ihn schelmisch an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Nase\u201c, erinnerte er sie und sie r\u00fcmpfte diese\ngenervt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo muss es sein\u201c, erkl\u00e4rte er und verlie\u00df den\nRaum.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Pony wirkte neben Eames\u2019\ngewaltigem Hengst wie eine Miniaturfigur aus Zuckerguss auf einer franz\u00f6sischen\nTorte. Ungl\u00e4ubig musterte sie das kleine Tier, welches reglos an der Seite\nseines imposanten Kameraden stand und darauf wartete, ins n\u00e4chste Abenteuer\naufzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEames, ich weigere mich, auf einem\nHottepferdchen zu reiten\u201c, erkl\u00e4rte sie entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann werden wir alternativ spazieren gehen, wie\nwir es urspr\u00fcnglich vorgehabt haben\u201c, erwiderte er unger\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn ich das Pony nehme, wird jeder annehmen,\nich sei deine Tochter\u201c, gab sich Abbey nicht so leicht geschlagen, doch er\nzuckte gelassen mit den Achseln.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEntscheide dich jetzt. Ponyreiten oder\nSpazierengehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu machst mich verr\u00fcckt!\u201c, schimpfte die junge\nFrau und tat, als griffe sie nach den Z\u00fcgeln des kleinen Reittiers, machte aber\neinen flinken Satz, umschloss die Z\u00fcgel des Hengstes, w\u00e4hrend sie gleichzeitig\nauf die Aufsteighilfe sprang, und schwang sich blitzschnell in den Sattel. Der\nCaptain begriff erst, was sie getan hatte, als sie bereits vom Hof galoppierte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHalt, Adeen, bleib stehen!\u201c, br\u00fcllte er zornig\nund wirbelte herum. \u201eBring mir ein Pferd!\u201c, fuhr er einen jungen Stallknecht\nan. \u201eSofort! Ohne Sattel!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ihm schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, bis\nder Knabe endlich mit einem anderen Tier vor ihm auftauchte. Beh\u00e4nde sa\u00df er auf\nund setzte seiner Frau in gestrecktem Galopp durch die weitl\u00e4ufige Parkanlage\nnach. Verdammt, wohin war sie nur geritten?<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey lachte gel\u00f6st, denn das Pferd\ntrug sie in hohem Tempo \u00fcber Wiesen, kleine B\u00fcsche und winzige Rinnsale. Oh,\nwar sie froh, diesen Angsthasen von einem Mann abgeh\u00e4ngt zu haben. Was lief nur\nfalsch bei ihm? Dass er nicht alle Tassen im Schrank hatte, d\u00fcrfte niemandem entgangen\nsein. Bald hatte sie den Park hinter sich zur\u00fcckgelassen und erreichte den\ntosenden Ozean. Wasser spritzte auf, als sie entlang des Saums von Meer und\nUfer ritt. Mittlerweile hingen die Wolken tief und vermischten sich mit\naufsteigendem Nebel. Mit jedem Meter, den sie hinter sich lie\u00df, wurde die Sicht\nschlechter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAdeen!\u201c, h\u00f6rte sie den Captain ihren Namen\nrufen. \u201eAdeen, wo bist du?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er klang aufgebracht, aber zugleich zutiefst\nbeunruhigt. Mitleid \u00fcberkam sie und sie z\u00fcgelte ihr Pferd, drehte sich in seine\nRichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin hier!\u201c, rief sie und h\u00f6rte im n\u00e4chsten\nMoment das Schnauben eines Pferdes, das sich ihr mit gro\u00dfer Geschwindigkeit\nn\u00e4herte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dunkle Silhouette ihres Mannes nahm langsam\nForm an und sein Ross stieg in die H\u00f6he, als er es direkt neben ihr grob z\u00fcgelte.\nDann sprang er ab, kam zu ihr, umfasste sie an der Taille und hob sie herunter.\nAbbey rechnete mit einer Strafpredigt und Zorn. Doch er zog sie fest an sich,\ndr\u00fcckte ihren Kopf an seine Brust und streichelte sie fiebrig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeht es dir gut, Liebes?\u201c Er klang derart\nsorgenvoll, dass es ihr ins Herz schnitt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, bestens. Ich f\u00fchle mich ausgezeichnet!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDa bin ich aber froh! Oh Gott, ich bef\u00fcrchtete,\ndich verloren zu haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGalway ist meine Heimat. Nicht einmal der Nebel\nkann mir die Orientierung rauben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePscht, Adeen, ich will diese Ausfl\u00fcchte nicht\nh\u00f6ren. Schw\u00f6re, mir dergleichen nie wieder anzutun!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, das werde ich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie versuchte, sich aus seiner Umarmung zu l\u00f6sen.\nAls er ihren Widerstand bemerkte, gab er sie frei, suchte ihren Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJage mir nie wieder solche Angst ein\u201c, flehte\ner. \u201eVersprich es mir!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas kann ich nicht. Da du offensichtlich\nausgesprochen schreckhaft bist, muss ich davon ausgehen, dass es dich ebenfalls\nbeunruhigen k\u00f6nnte, wenn ich Enten f\u00fcttere. Und das lasse ich mir keinesfalls\nnehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Minutenlang starrte er sie an und sie\nbef\u00fcrchtete, er w\u00e4re zu Stein erstarrt. Doch pl\u00f6tzlich begann er zu lachen und\nfuhr sich mit einer Hand \u00fcbers Gesicht. Dann wandte er sich ab. Sein Oberk\u00f6rper\nbebte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGott, was ist aus mir geworden\u201c, stie\u00df er tonlos\nhervor und Abbey \u00fcberlegte, ob er lachte oder weinte.<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00f6stend legte sie eine Hand auf seine Schulter.\n\u201eWas bedr\u00fcckt dich, Eamon? Willst du es mir erz\u00e4hlen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er machte einen Schritt von ihr fort, sodass ihr\nArm von ihm abfiel. \u201eEames\u201c, erinnerte er sie gepresst.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will dich bei deinem richtigen Namen\nnennen\u201c, widersetzte sich die junge Frau trotzig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNicht mal ein Tag ist vergangen und du verst\u00f6\u00dft\ngegen unsere Abmachung?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als er sich umdrehte, zeichnete unterdr\u00fcckte Wut\nseine Gesichtsz\u00fcge. Abbey senkte den Kopf. \u201eWarum k\u00f6nnen wir nicht einfach\ndamit aufh\u00f6ren? Du sagst meinen Namen und ich deinen. Dann w\u00e4re alles in\nOrdnung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcr wen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcr uns beide.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir haben eine Vereinbarung\u201c, wiederholte er\nfest. \u201eUnd jetzt reiten wir zur\u00fcck. Das Wetter ist f\u00fcr einen weiteren Verbleib\nungeeignet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas stimmt nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan kann mittlerweile nicht zehn Fu\u00df weit\nsehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa und?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als er sie wieder ansah, blitzte eine Drohung in\nseinen Augen auf. \u201eWir reiten zur\u00fcck. H\u00f6r auf, mir st\u00e4ndig zu widersprechen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber das muss ich tun,\nEames.<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas hast du gesagt?\u201c Mit zusammengekniffenen\nAugen musterte er seine Frau, die ihn trotzig ansah.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNichts. Ich habe nichts gesagt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu hast soeben erkl\u00e4rt, dass &#8230;\u201c Er brach ab\nund fuhr sich mit gespreizten Fingern durchs Haar. Dann wandte er sich ab.\n\u201eVerdammt, Adeen, h\u00f6r auf mit diesen Spielchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber ich habe nichts gesagt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Statt einer Antwort kehrte er zu ihr zur\u00fcck,\numfasste sie an der Taille und hob sie in den Sattel. Bevor er ihr die Z\u00fcgel reichte,\nmusterte er sie streng. \u201eDu wartest auf mich, verstanden?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie nickte und er fing sein eigenes Pferd ein.\nAls er auf dessen R\u00fccken sa\u00df, machte er Adeen ein Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eReite voraus, aber wage keine schnellere Gangart\nals Trab.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, Eames.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd jetzt?\u201c, wollte sie auf dem\nWeg von den Stallungen zum Haus wissen. \u201eIch nehme an, das Wetter ist deiner\nAnsicht nach f\u00fcr einen Spaziergang ebenso ungeeignet, da du bef\u00fcrchtest, dich\nim Nebel zu verlaufen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWerde nicht frech\u201c, brummte er. \u201eDu k\u00f6nntest mir\nvorlesen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDavon halte ich nichts.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKannst du dich nicht erinnern &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, kann ich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich nicht, Entschuldigung.\u201c Er\nf\u00fchrte sie in den Salon. \u201eIch bitte dich darum, mir vorzulesen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey knirschte mit den Z\u00e4hnen. \u201eDu hast versprochen,\ndass ich meine Tage nach meinem Ermessen gestalten darf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo ist es in Bezug auf den Alltag. Momentan\nbefinden wir uns in den Flitterwochen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHa\u201c, emp\u00f6rte sie sich und winkte ab. \u201eBedeutet\ndas, ich muss mich bis zu deren Ende langweilen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLesen ist ein spannungsreicher Zeitvertreib\u201c,\nversuchte er sie zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs \u00f6det mich an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch sehe schon, so kommen wir nicht weiter. Was\nw\u00fcrdest du an einem Tag wie diesem tun?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVermutlich die neuesten Modehefte studieren und\nmeine Garderobe f\u00fcr die Saison zusammenstellen. London ben\u00f6tigt eine Menge\nVorbereitung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er betrachtete sie, als \u00fcberlegte er, woher sie\nsoeben gekommen war. Angesichts seines konfusen Benehmens war nicht auszuschlie\u00dfen,\ndass er momentan tats\u00e4chlich aus allen Wolken fiel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin es, deine Frau, Abbey\u201c, erkl\u00e4rte sie\nsp\u00f6ttisch und winkte ihm zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Er r\u00e4usperte sich. \u201eDas verstehe ich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist nicht so schwer zu begreifen. Um eine\nerfolgreiche Saison zu absolvieren, ben\u00f6tigt es sorgf\u00e4ltiger Planung. Du kannst\ndiese getrost mir \u00fcberlassen. Meine Mutter hat mich gelehrt, kein Detail zu\n\u00fcbersehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBeruhigend\u201c, murmelte er und knetete sein Kinn.\n\u201eDu bist mir ein R\u00e4tsel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey l\u00e4chelte erfreut. \u201eWelch nettes Kompliment.\nGenau so soll es sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMhm.\u201c Sie nickte nachdr\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<p>An seinem Blick vermochte sie zu erkennen, dass\ner schmolz.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir k\u00f6nnten gemeinsam in den Ort flanieren und\naktuelle Modezeichnungen erwerben. Es ist nicht gef\u00e4hrlich und wir bleiben auf\ndem Weg\u201c, versuchte sie ihn ein weiteres Mal aus dem Haus zu locken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Ordnung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberrascht hob sie die Augenbrauen. \u201eIst es mir\nwahrhaftig gelungen, dich dazu zu \u00fcberreden, unser Zuhause ein zweites Mal an\ndiesem Tag zu verlassen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa.\u201c In dem Augenblick wirkte er hilflos wie ein\nInsekt, das sich in einem Spinnennetz verheddert hatte und sie bekam fast\nMitleid mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo f\u00fcrchterlich ist es nicht\u201c, fl\u00fcsterte sie\nbeschwichtigend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas genau?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das war eine gute Frage. Abbey dachte sekundenlang\nnach.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch. So f\u00fcrchterlich bin ich nicht. Du musst\nmich nicht ansehen, als w\u00fcrde ich dich jeden Augenblick erstechen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTue ich das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie verzog nachdenklich den Mund. \u201eEin klein\nwenig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er atmete tief durch und zwinkerte ihr\nverschmitzt zu. \u201eVerzeih, wenn ich etwas streng wirke. Diese ganze\nAngelegenheit ist neu f\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er machte eine allumfassende Handbewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchon vergessen\u201c, winkte sie gn\u00e4dig ab. \u201eWollen\nwir uns umkleiden und danach aufbrechen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Statt einer Antwort bot er ihr den Arm und f\u00fchrte\nsie in den oberen Stock, wo er sich vor ihrer Zimmert\u00fcr von ihr trennte.<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Wie stets h\u00f6rte er ihr\naufmerksam zu \u2026<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eEnde dieser Woche plane ich,\nnach Dublin abzureisen\u201c, erz\u00e4hlte Mac Guaire, w\u00e4hrend sie den Park passierten.\nDer helle Kies knirschte unter ihren Schuhen. \u201eEs gibt einige Orte, die ich dir\ndort zeigen m\u00f6chte. Abgesehen davon sch\u00e4tze ich, dass dir die Stadt gefallen\nwird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDessen bin ich gewiss\u201c, strahlte Abbey. \u201eJede\nAnsiedlung, die gr\u00f6\u00dfer als Galway ist, besitzt meine Sympathien. Ich habe die\nNase von diesem verschlafenen Nest gestrichen voll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Captain runzelte angesichts ihrer unfeinen\nSprechweise die Stirn, ging allerdings kritiklos dar\u00fcber hinweg. \u201eDas Leben\ndort unterscheidet sich grundlegend von dem hier\u201c, erkl\u00e4rte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas will ich hoffen! Wann ziehen wir eigentlich nach\nLondon? Planst du, mit einem deiner Frachter nach England \u00fcberzusetzen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Herbst und ja, wir werden eines meiner\nSchiffe nehmen. Ich habe in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden in der Hauptstadt zu tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie passierten das schmiedeeiserne Tor, welches\ndie Grundst\u00fccksgrenze markierte. Die Gaslaternen waren entz\u00fcndet worden und\nwirkten wie kleine Sonnen hinter einer Wolkenwand, aufgef\u00e4delt an einer\nendlosen Kette.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe immer davon getr\u00e4umt, l\u00e4ngere Zeit in\nLondon zu leben. Vor zwei Jahren wurde ich in die Gesellschaft eingef\u00fchrt.\u201c\nAbbey seufzte nachdenklich und fuhr schnell fort: \u201eIch bin deshalb nicht\nverheiratet, weil meine Schwestern zuerst an der Reihe waren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJetzt bist du verheiratet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00c4h, ja. Ich meinte, bis jetzt. Nicht, dass du\ndenkst, ich h\u00e4tte keine Verehrer gehabt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo eine unschmeichelhafte Schlussfolgerung w\u00fcrde\nich nie anstellen\u201c, wehrte er sich am\u00fcsiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGott sei Dank!\u201c, seufzte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie bogen um die n\u00e4chste Ecke und traten in die\ngro\u00dfe Hauptstra\u00dfe ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDort vorne ist mein Lieblingsgesch\u00e4ft. Mein\nBrautkleid stammt von Mrs Brown.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs war vom feinsten\u201c, erinnerte er sich.\n\u201eDeswegen schlage ich vor, nachzusehen, welche modischen Neuigkeiten sie f\u00fcr\nuns hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch hoffe, dass sie schon eingetroffen sind. Mrs\nBrown erkl\u00e4rte, dass diese im Laufe der Woche aus Paris gebracht werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVielleicht haben wir Gl\u00fcck\u201c, meinte er und hielt\nihr Augenblicke sp\u00e4ter h\u00f6flich die T\u00fcr auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schenkte ihm ein strahlendes L\u00e4cheln und trat\nin den Laden ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, Mrs Mac Guaire! Ich hatte nicht so bald mit\nEuch gerechnet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Blick der Schneiderin glitt \u00fcber die Schulter\nder jungen Frau hinweg. \u201eSehr erfreut, Captain. Eure Frau ist s\u00fcchtig nach\nModezeichnungen. Wie es aussieht, hat sie Euch angesteckt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMeine Liebe, verraten Sie mich doch nicht!\u201c,\nlachte Abbey und drehte sich zu ihrem Mann um. \u201eEs ist nicht so schlimm, wie\nMrs Brown es darstellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDeine Schw\u00e4chen sind mir ein Herzensanliegen\u201c,\nerkl\u00e4rte er und wandte sich zur Schneiderin. \u201eDa ich mein Weib gl\u00fccklich machen\nm\u00f6chte, hoffe ich, dass Sie mich entschieden dabei unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNichts lieber als das!\u201c, kicherte die Inhaberin\nund deutete auf einen bequemen Armstuhl. \u201eWollt Ihr Euch setzen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGerne.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zu dem Sitzplatz \u00f6ffnete er den\nMantel. Abbey sah ihm mit klopfendem Herzen nach. Die Angst vor ihm war in den\nletzten Stunden von ihr abgefallen. Eames war gro\u00dfartig! Abgesehen von seinen\nnervigen Schrullen war er wahrhaft ein angenehmer Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDarf ich Euch etwas zu trinken anbieten,\nCaptain?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMomentan nicht, danke. K\u00fcmmern Sie sich bitte um\nmeine Frau.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Er setzte\nsich, lehnte sich zur\u00fcck und schlug l\u00e4ssig ein Bein \u00fcber das andere. Die Arme\nlegte er entspannt auf den Lehnen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNa, Mrs Mac Guaire, habt Ihr das Interesse an\nden Zeichnungen verloren?\u201c, neckte die Schneiderin und Abbey riss sich von der\nBetrachtung ihres Mannes los und hoffte, dass niemand die aufsteigende Hitze,\ndie ihre Wangen gl\u00fchen lie\u00df, bemerkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie folgte Mrs Brown in eine andere Ecke des\nGesch\u00e4fts und setzte sich dort vor einen breiten Schreibtisch. Ihr gegen\u00fcber\nnahm die Kleidermacherin Platz und zog aus einer Schublade einen Packen neuer\nModeentw\u00fcrfe hervor. Gemeinsam gingen sie diese durch und als sie fertig waren,\nz\u00e4hlte Abbey jene, die sie zur engeren Auswahl beiseitegelegt hatte. Es\nhandelte sich um neunzehn Entw\u00fcrfe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch zeige sie dem Captain. Er soll entscheiden,\nwelche in Auftrag gegeben werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTut das, Mrs Mac Guaire.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Abbey auf ihren Mann zustrebte, verschwand\ndie Schneiderin im hinteren Teil des Ladens.<\/p>\n\n\n\n<p>Eames sah ihr entgegen, als sie sich ihm n\u00e4herte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd?\u201c, wollte er freundlich wissen und wirkte,\nals gen\u00f6sse er den Umstand, hier zu sein. Die meisten M\u00e4nner, die ihre Frauen\nbegleiteten, verhielten sich genervt und machten aus ihrem Unbehagen keinen\nHehl. Nicht so der Captain. Sie lie\u00df sich neben ihn auf einen Stuhl sinken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas sind die Entw\u00fcrfe f\u00fcr die engere Auswahl.\nWenn du nichts dagegen hast, w\u00fcrde ich sie dir gerne zeigen und dir die\nEntscheidung, welche wir nehmen, \u00fcberlassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er nickte und senkte den Blick auf die Skizzen in\nihren H\u00e4nden. Leise begann sie ihm die Machart und Funktion eines jeden Kleides\nzu erkl\u00e4ren. Au\u00dferdem erl\u00e4uterte sie ihm die Besonderheiten der\nunterschiedlichen Modelle. Er h\u00f6rte aufmerksam zu, nickte, und wenn er aufsah,\nmeinte sie, stets Wohlwollen in seinen Augen zu erkennen. Es war fast\nunheimlich, doch bewirkte diese stille Anbetung, dass sie Vertrauen zu ihm\nfasste. Nachdem sie alle Entw\u00fcrfe durchgegangen waren, musterte sie ihn\nfragend: \u201eJetzt bist du an der Reihe zu w\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er suchte ihren Blick und hielt ihn gefangen.\n\u201eWelche gefallen dir am besten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch finde ein jedes wundervoll und kann mich\nnicht entscheiden. Deswegen brauche ich deine Hilfe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Ordnung.\u201c Er nickte und erhob sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Verwirrt sah sie zu ihm auf. Da streckte er ihr\nseine Hand entgegen. Verunsichert ergriff sie diese und lie\u00df sich in die H\u00f6he\nziehen. Er nahm ihr die Zeichnungen ab und schlenderte zum Durchgang. Dort\nklopfte er an den T\u00fcrrahmen. Sofort tauchte Mrs Brown auf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSeid Ihr f\u00fcndig geworden?\u201c, fragte sie und\nblickte den Captain interessiert an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, erwiderte dieser und reichte ihr den Stapel.\n\u201eWir nehmen sie alle.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber &#8230;\u201c Abbey verschlug es die Sprache. \u201eEs\nhandelt sich um neunzehn Kleider!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mrs Brown starrte ihn an, als w\u00e4re er ein Geist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNeunzehn, dreiundzwanzig oder f\u00fcnfundvierzig &#8230;\nes ist mir einerlei. Sie gefallen dir, deswegen bekommst du sie. So simpel ist\ndie Sache. Was geh\u00f6rt au\u00dferdem dazu?\u201c Er drehte sich fragend zu Abbey, doch\ndiese schwieg fassungslos und musterte ihn mit offenem Mund.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStr\u00fcmpfe, H\u00fcte, Schuhe, T\u00fccher, Taschen,\nUnterkleider\u201c, begann die Schneiderin automatisch aufzuz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Captain wandte sich wieder zu ihr. \u201eStellen\nSie alles zusammen. Die Ma\u00dfe meiner Frau haben Sie?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, Mr Mac Guaire.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir werden Ende dieser Woche nach Dublin\naufbrechen. Die Kleider, welche Sie bis dahin nicht fertiggestellt haben, liefern\nSie dann bitte direkt dorthin. Es besteht keine Eile.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich, Captain.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStellen Sie zwei Rechnungen und \u00fcberbringen Sie\nmir die erste gleichzeitig mit der erfolgten Lieferung am Ende dieser Woche.\nSie m\u00fcssen keine Angst um Ihr Geld haben. Ich werde sofort bezahlen, da ich\nnichts vom Anschreiben halte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt fiel auch der Schneiderin die Kinnlade\nhinunter. Ein Nicken war alles, was sie zustande brachte. Mac Guaire machte auf\ndem Absatz kehrt, zog den Arm seiner ebenfalls reglosen Frau n\u00e4her und h\u00e4ngte\nihn bei sich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf Wiedersehen, Mrs Brown\u201c, gr\u00fc\u00dfte er und\n\u00f6ffnete die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWiedersehen &#8230; Mr &#8230; Captain\u201c, stammelte die\nSchneiderin \u00fcberw\u00e4ltigt und rief ein gehauchtes \u201eVielen Dank!\u201c, hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd wohin gehen wir jetzt?\u201c, wollte er unternehmungslustig\nwissen, als sie auf der Stra\u00dfe standen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZum Schuhmacher?\u201c, schlug Abbey \u00fcberrascht vor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine ausgezeichnete Idee. Neunzehn Kleider\nbedeuten, dass du die gleiche Anzahl an Schuhen ben\u00f6tigst. Habe ich recht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein. Das Schuhwerk vermag man mehrmals zu\nkombinieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir werden sehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnfzehn bestellte Paar sp\u00e4ter\nstanden sie wieder auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir kehren jetzt nach Hause zum Essen zur\u00fcck\u201c,\nerkl\u00e4rte er. \u201eWenn du w\u00fcnschst, setzen wir unseren Einkaufsbummel am Nachmittag\nfort.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBist du nicht m\u00fcde?\u201c, wollte sie vorsichtig\nwissen. Sie konnte nicht glauben, dass er tats\u00e4chlich so war, wie er sich ihr\npr\u00e4sentierte. Eames erschien ihr wie ein wahrgewordener M\u00e4dchentraum.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGanz und gar nicht. Ich habe meine Zeit selten\nauf derart belebende Weise verbracht, wie in den letzten zwei Stunden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie kannst du Spa\u00df daran haben?\u201c, platzte sie\nvollkommen durcheinander heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs liegt an dir, Adeen. Ich will jede Minute,\ndie ich mit dir verbringen darf, auskosten. Man wei\u00df nie, wann das Gl\u00fcck endet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatten die Hauptstra\u00dfe hinter sich\nzur\u00fcckgelassen und hielten im ged\u00e4mpften Schein einer der Gaslaternen. Er sah\nernst auf sie herab und seine Augen versanken in ihren. \u201eDas Leben ist zu kurz,\num es nicht auszukosten\u201c, fuhr er leise fort und hob eine Hand, legte sie an\nihre Wange und strich z\u00e4rtlich dar\u00fcber. \u201eEs ist ein Wunder, das mich dich\nfinden lie\u00df und ich verspreche, dies niemals zu vergessen. Kein Augenblick soll\nvergeudet sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey senkte ihre Lider und hob ihr Kinn, bot ihm\nihre Lippen an. Es w\u00e4re zu romantisch, wenn er sie unter der Laterne an einem\nsolchen Tag k\u00fcsste: inmitten der \u00d6ffentlichkeit und doch geheimnisvoll\nverborgen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGehen wir weiter\u201c, schlug er vor und sie \u00f6ffnete\ndie Augen, bemerkte, dass er im Begriff war, sich abzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie konnte sich nicht erkl\u00e4ren, weshalb er sie\nnicht k\u00fcsste. Warum hielt er sie auf Distanz? Ein kleiner Stich in ihrem Herzen\nlie\u00df sie zusammenzucken und sie schluckte. Was war sie f\u00fcr ihn? Oder besser:\nWen stellte sie f\u00fcr ihn dar? Adeen? Pl\u00f6tzlich flackerte das alte Unbehagen\nwieder auf, wie ein Dorn, der sich tiefer in ihr Inneres bohrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer war jene Frau? Weshalb hatte sie Eames\nverlassen und was hoffte dieser, in ihr, Abbey, zu finden? Fragen \u00fcber Fragen\nschwirrten durch ihren Kopf. Ach, h\u00e4tte sie doch eine Antwort darauf!<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Lunch zog sich Abbey in\nihr Zimmer zur\u00fcck. Von dem Fest des vergangenen Tages war sie m\u00fcde. Zu der\nErsch\u00f6pfung gesellten sich all die neuen, unerkl\u00e4rlichen Eindr\u00fccke ihren Mann\nbetreffend und die offenen Fragen, welche sie verst\u00f6rten. Sie schloss die\nAugen, bl\u00e4tterte in Gedanken die farbenpr\u00e4chtigen Zeichnungen jener Kleider\ndurch, die sie bald besitzen w\u00fcrde. Sie m\u00fcsste gl\u00fccklich sein. Eames schenkte\nihr mehr, als ihr Herz begehrte und doch steigerte sich in ihr das Gef\u00fchl, dass\nnicht sie es war, der er diese Freude bereitete, sondern Adeen. Einer Frau,\nderen Platz auszuf\u00fcllen sie auserw\u00e4hlt war. Abbey seufzte gequ\u00e4lt und schloss\ndie Augen, sah ihn wieder vor sich: seine bewundernden Blicke, die Anbetung\ndarin, das Lob, welches er \u00fcber sie ergoss. <em>Trotzdem sieht er mich nicht. <\/em>Bek\u00fcmmert\nwischte sie eine Tr\u00e4ne von ihrer Wange.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey war, im Gegensatz zu ihrer\ndritt\u00e4ltesten Schwester Caroline, die man von jedem Baum herunterzerren musste,\nnie sonderlich abenteuerlustig gewesen. Das angenehme und zuweilen eint\u00f6nige\nLeben \u2013 zweiteres ebenfalls aus Sicht ebendieser Schwester \u2013 kam ihrem Wesen\nentgegen. Sie vermochte sich mit jeglichem Firlefanz (Carolines Lieblingswort)\nabzulenken und tr\u00e4umte stundenlang von ihrer Zukunft. Doch die von Eamon\nverh\u00e4ngten Einschr\u00e4nkungen weckten ungewohnten Widerstand in der jungen Frau.\nPl\u00f6tzlich konnte sie sich nichts Sch\u00f6neres vorstellen, als auf einem\nPferder\u00fccken durch die Landschaft zu jagen. Sie \u00fcberlegte sogar, wie es w\u00e4re,\nmit einem seiner Schiffe aufs offene Meer zu fahren. Abbey erkannte sich nicht\nwieder. Eigentlich m\u00fcsste sie \u2013 und hier gelangen wir erneut zum urspr\u00fcnglichen\nProblem \u2013 \u00fcbergl\u00fccklich sein. Ihr Mann \u00fcberh\u00e4ufte sie mit Geschenken, kaufte\nihr mehr als sie begehrte, erf\u00fcllte ihr jeglichen Wunsch (wenn er nicht zu\ngef\u00e4hrlich war) und himmelte sie an. Trotzdem vermied er es tunlichst, sie an\nsich heranzulassen. Der allabendliche Tanz war die einzige Zeit, in der er sie\nin den Armen hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war keine Woche vergangen, da war sie bereits\ndankbar f\u00fcr diese ungew\u00f6hnliche Abmachung, denn sie stellte die einzige\nM\u00f6glichkeit dar, ihn zu ber\u00fchren und ihm nahe zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute wollten sie endlich in\nRichtung Dublin aufbrechen. Abbey hatte die Hauptstadt nie besichtigt, sondern\nwar dort lediglich an Bord eines Schiffes gegangen, um nach England \u00fcberzusetzen.\nDeswegen konnte sie sich ihr zuk\u00fcnftiges Leben nur vage ausmalen. Mit\nSicherheit w\u00fcrde es um einiges abwechslungsreicher sein als hier in Galway.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey straffte die Schultern, warf einen letzten\nBlick in ihr Zimmer und eilte dann in den unteren Stock. Eamon erwartete sie in\nder Halle, die Arme auf dem R\u00fccken verschr\u00e4nkt. Sekundenlang w\u00e4hnte sie ihn an\nDeck eines Schiffes \u2013 die Weite des imagin\u00e4ren Ozeans verlieh ihm einen verwegenen\nHauch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBereit?\u201c, wollte er mit einem freundlichen\nL\u00e4cheln wissen, seine Augen strahlten wie immer, wenn er sie betrachtete und\nAbbey l\u00f6ste sich von dem eindrucksvollen Fantasiebild.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ergriff seine Hand und schritt neben ihm aus\ndem Haus. Die Kutsche war mit ihren Koffern beladen und erwartete ihre\nFahrg\u00e4ste. Der Hausdiener \u00f6ffnete ihnen die Kutschent\u00fcr und die Herrschaften\nstiegen ein. Kurze Zeit sp\u00e4ter rumpelten sie Galways Hauptstra\u00dfe entlang und\nAbbey seufzte entz\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin schrecklich gespannt auf dein Heim in\nDublin\u201c, bekannte sie und warf ihrem Gatten einen fl\u00fcchtigen Seitenblick zu,\nbevor sie sich wieder auf das Geschehen im Freien konzentrierte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist nicht so geschmackvoll eingerichtet, wie\nunser Haus hier. Doch bin ich zuversichtlich, dass du Abhilfe schaffen wirst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, ich soll es neu einrichten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn du es w\u00fcnschst. Es ist dein Zuhause und es\nist mir ein Anliegen, dass du dich darin wohlf\u00fchlst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder sah sie kurz zu ihm, schenkte ihm ein\nerfreutes L\u00e4cheln. \u201eIch kann es kaum erwarten. Es hat mir gro\u00dfes Vergn\u00fcgen\nbereitet, unser Heim in Galway auszustatten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAusgezeichnet. Du wirst dich in n\u00e4chster Zeit\nmehrmals kreativ ausleben k\u00f6nnen. Vergiss die H\u00e4user in London und Brighton\nnicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd in New York\u201c, warf sie ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sch\u00fcttelte den Kopf und als sie sich ihm\nerneut zuwandte, erkannte sie, dass sich seine Gesichtsz\u00fcge verfinsterten.\n\u201eNein. Nach New York werde ich dich nicht mitnehmen. Die \u00dcberfahrt dauert zu\nlange und ist au\u00dferdem zu gef\u00e4hrlich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Entt\u00e4uscht schob sie die Unterlippe vor. \u201eAber\nich hoffte, an deiner Seite die Neue Welt zu bereisen. Es w\u00e4re wundervoll und\nich ersehne es!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKommt nicht infrage.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDarf ich dich daran erinnern, dass du mir\nversprochen hast, mir jeglichen Wunsch zu erf\u00fcllen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDarf ich dich wiederum daran erinnern, dass dies\nnur zutrifft, wenn es sich nicht um Wagnisse und Unschicklichkeiten handelt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist nicht gef\u00e4hrlich, nach Amerika zu reisen!\nMeine Freundin Emma war schon dort!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Einsch\u00e4tzung deiner W\u00fcnsche in Bezug auf\nihre Bedenklichkeit liegt ausschlie\u00dflich in meinem Ermessen\u201c, stellte er streng\nfest.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn deinem allein? Du holst keine andere Meinung\nein?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo ist es. Zumindest in den Belangen, die dich\nbetreffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePah!\u201c Sie verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust\nund starrte w\u00fctend zu Boden. \u201eIch kann dich \u00fcberhaupt nicht leiden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da lachte er am\u00fcsiert auf. \u201eAch, Adeen, dein\nTemperament hat mir gefehlt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sofort erstarrte sie innerlich. Ihr die Reise\nnach Amerika zu verweigern, f\u00fchlte sich nicht so schrecklich an, wie dieses\nfreundliche Gest\u00e4ndnis. Jedes Mal, wenn er sie mit dem falschen Namen ansprach\nund auf eine l\u00e4ngst vergangene Erinnerung anspielte, wurde ihr \u00fcbel. Die\nIntensit\u00e4t steigerte sich kontinuierlich und Abbey bef\u00fcrchtete, sich eines\nnicht allzu fernen Tages \u00fcbergeben zu m\u00fcssen. Unauff\u00e4llig legte sie eine Hand\n\u00fcber ihren Bauch. Wieso kultivierte er diesen Wahn, anstatt ihn abzusch\u00fctteln?\nIhrer beider Leben w\u00e4re perfekt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu sagst nichts?\u201c, wollte er besorgt wissen,\nbeugte sich vor und ber\u00fchrte sie sanft am Oberarm. Doch sie weigerte sich, ihn\nanzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas erwartest du von mir?\u201c, presste sie\nangespannt hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu k\u00f6nntest zum Beispiel erwidern, dass du mich\nebenfalls vermisst hast.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber es entspricht nicht der Wahrheit. Vor vier\nMonaten habe ich nicht mal gewusst, dass es dich gibt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er zog seine Hand zur\u00fcck. \u201eWarum nimmst du alles\nso genau? Wenn du wolltest, gel\u00e4nge es dir unzweifelhaft ohne Anstrengung\nmitzuspielen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein\u201c, schnaubte sie, \u201edas ist abartig. Auf mehr\nals das, was wir vereinbart haben, werde ich mich nicht einlassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da er schwieg, wagte sie einen schnellen Blick zu\nihm. Er hatte den Kopf abgewandt und blickte reglos aus dem Fenster. Sie konnte\nsich keinen Reim darauf machen, was in ihm vorging. Eamon stellte f\u00fcr sie ein\nunbekanntes Land dar. Weder verstand sie seine Motivation noch die Koordinaten,\ninnerhalb derer er sein Leben f\u00fchrte. Sie seufzte und beschloss, ebenfalls den\nMund zu halten. Auf New York w\u00fcrde sie ein anderes Mal zur\u00fcckkommen. Immer\nwieder. Bis er nachgab.<\/p>\n\n\n\n<p>In Dublin begann f\u00fcr Abbey ein\nneues Leben. Eamon arbeitete hart und versagte seiner jungen Frau nicht, ihre\nTage nach Lust und Laune zu gestalten. Nachdem sie die Einrichtung des\nStadthauses, welches zwanzig Gehminuten vom Hafen entfernt lag, teilweise\nerneuert und erg\u00e4nzt hatte, nahm sie alle Einladungen an, die ins Haus\nflatterten. Es dauerte nicht lange und sie lud ihre neuen Freundinnen ebenfalls\nzu sich ein und wurde eine beliebte Gastgeberin. Manchmal gesellte sich Eamon\nzu ihnen und avancierte zum Helden der Frauenwelt. Eine jede himmelte ihn an,\nweil er Abbey auf H\u00e4nden trug. S\u00e4mtliche Ehefrauen sehnten sich danach, dass\ndoch auch ihre Gatten so aufmerksam w\u00e4ren, wie der Captain. Und Abbey? Sie\nmochte ihn wahrhaftig und w\u00fcnschte sich immer dringlicher, dass er sie w\u00e4hrend der\nganzen Nacht in den Armen hielt und nicht nach dem Tanz zur\u00fcck in ihr eigenes\nBett schickte. Sie tr\u00e4umte davon, dass er sie beim Namen rief.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Mal, wenn er es nicht tat, war es, als\nstie\u00dfe er sie weiter von sich fort. Aufgrund dieses dadurch verursachten Schmerzes\nerrichtete die junge Frau eine innere Mauer gegen ihren Mann. Damit sie die\nMissachtung ihrer eigenen Person halbwegs zu ertragen vermochte, begann sie,\nihn zu meiden.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain7-1024x585.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-719\" width=\"256\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain7-1024x585.jpg 1024w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain7-300x171.jpg 300w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain7-768x439.jpg 768w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain7-105x60.jpg 105w, https:\/\/www.junia-swan.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ein-unbelehrbarer-Captain7.jpg 1050w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>An einem Freitagabend h\u00f6rte sie eine zornige Stimme aus dem Arbeitszimmer schallen, als sie in der Halle ihren Hut abnahm. Sie war soeben von einer Teegesellschaft zur\u00fcckgekommen und wollte sich etwas ausruhen, bevor sie sich f\u00fcr das Konzert am Abend herrichtete. \u00dcberrascht hielt sie inne und warf dem Hausdiener einen fragenden Blick zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Captain hat eine Unterredung mit einem seiner\nKapit\u00e4ne\u201c, erkl\u00e4rte der Angestellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey runzelte die Stirn und widmete sich wieder\nihrem Hut. Da wurde es erneut laut und die junge Frau kam nicht umhin\nfestzustellen, dass sich die M\u00e4nner anbr\u00fcllten. Dies war eine unbekannte Seite\nvon Mac Guaire und eine G\u00e4nsehaut prickelte auf ihren Armen. Sie reichte dem\nDiener ihren Hut und die Handschuhe, blieb dann unschl\u00fcssig stehen, w\u00e4hrend der\nButler ihre Kleidungsst\u00fccke verstaute und sich zur\u00fcckzog. Auf Zehenspitzen\nschlich sie n\u00e4her.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e&#8230; zerst\u00f6rt den kompletten Ruf Eurer Reederei\nund ich werde das nicht zulassen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie tun, was ich Ihnen befehle! Ich bin\nderjenige, der Ihren Lohn bezahlt!\u201c Eamons Stimme klang drohend und schneidend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann k\u00fcndige ich hiermit! Was Ihr verlangt, ist\n&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey hob eine Hand und klopfte. Sofort\nverstummten die M\u00e4nnerstimmen und eine kurze Stille dehnte sich aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa?\u201c, kam es nach einigen Augenblicken\nungehalten von Eamon und sie \u00f6ffnete die T\u00fcr. Trat vorsichtig ein. Ihr Mann und\nein Fremder standen einander gegen\u00fcber, die K\u00f6pfe in ihre Richtung gedreht.\nDoch sie hatte nur Augen f\u00fcr den Captain. Seine Gesichtsz\u00fcge waren hart wie\nStein und in seinem Blick schwelte t\u00f6dlicher Hass. Dieses Gef\u00fchl hielt ihn\ngefangen, denn er ben\u00f6tigte eine lange Weile, bis er sie endlich wahrnahm und\nsich wieder in jenen Mann verwandelte, den sie kannte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAdeen\u201c, murmelte er und wandte sich ihr zu. \u201eIst\netwas passiert?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sorge umw\u00f6lkte seine Stirn. Da sie diesen Blick\nkaum ertragen konnte, sah sie zu dem Gast. Als w\u00fcrde er sich erst jetzt seiner\nPflichten entsinnen, stellte Mac Guaire hastig vor: \u201eDas ist Captain O\u2019Ceanny,\nmeine Frau Mrs Mac Guaire.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kapit\u00e4n verbeugte sich und Abbey nickte ihm\nabgelenkt zu. Ihre Aufmerksamkeit galt nach wie vor ihrem Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAdeen?\u201c, wiederholte er, da sie keine Anstalten\nmachte, zu antworten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs betrifft das Konzert heute Abend. Bitte\nvergiss nicht, dass du zugesagt hast, mich zu begleiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie k\u00f6nnte mir das entfallen?\u201c, entgegnete er mit\neinem z\u00e4rtlichen L\u00e4cheln. \u201eDieser Termin steht fest in meinem Kalender\neingeschrieben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Z\u00f6gernd l\u00e4chelte sie ihn an und er erwiderte die\nGeste, als w\u00e4re nichts passiert. Als h\u00e4tte er nicht vor wenigen Minuten so laut\ngebr\u00fcllt, dass man es bis in die Halle geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann &#8230; dann bin ich beruhigt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die in der Luft liegende Spannung verunsicherte\nsie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGibt es au\u00dferdem etwas?\u201c, wollte er sanft\nwissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein\u201c, sagte sie schnell und eilte aus dem Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Herz klopfte aufgeregt auf dem Weg in ihr\nZimmer. Sie konnte sein hasserf\u00fclltes Gesicht nicht vergessen. Es hatte sie\nzutiefst erschreckt. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich beunruhigt, wer der\nMann, den sie geheiratet hatte, in Wahrheit war.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl er sie nie grob\nbehandelt, sie nie gepackt oder physisch bedroht hatte, war ihr bewusst, dass\ner ein kraftstrotzender Mann war. Eamon sa\u00df w\u00e4hrend des Konzerts neben ihr,\neine Hand ruhte auf seinem Oberschenkel. Sie starrte auf die schlanken Finger\nund erinnerte sich an seine rauen Handfl\u00e4chen, die auf schwere k\u00f6rperliche\nArbeit schlie\u00dfen lie\u00dfen. Er entstammte nicht dem Adel. Dass er es als Ire so\nweit gebracht hatte, zeugte von einem unbeugsamen, k\u00e4mpferischen Geist und der\nKraft eines B\u00e4ren. Der Captain arbeitete viel und hart und sie \u00fcberlegte, wie\ner sich wohl gab, sobald sie sich nicht in seiner N\u00e4he aufhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsetzen packte sie bei dem Gedanken, was\npassieren w\u00fcrde, sollte sie eines Tages seine Gunst verspielen. Sie schauderte\nund Angst entz\u00fcndete sich in ihr. Was, wenn er demn\u00e4chst realisierte, dass sie\nnicht Adeen war? W\u00fcrde er sie anbr\u00fcllen, wie er es bei O\u2019Ceanny gemacht hatte?\nIhr drohen? Sie wom\u00f6glich schlagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, sie durfte nicht daran denken! Sie wandte\nden Blick von seinen Fingern ab und versuchte, sich auf das Musikst\u00fcck zu\nkonzentrieren, welches den Saal bis in den letzten Winkel ausf\u00fcllte. Es gelang\nihr kaum. Sie konnte Eamons mit einem Mal bedrohliche Pr\u00e4senz nicht ausblenden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist so still\u201c, stellte er in der Pause\nsorgenvoll fest, hob eine Hand und strich ihr mit einem Finger sanft \u00fcber die\nWange. \u201eIst alles in Ordnung?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie konnte es nicht verhindern und zuckte zur\u00fcck,\nsuchte, erschrocken von ihrer Reaktion, seinen Blick. Sein Augenausdruck\nver\u00e4nderte sich und er lie\u00df den Arm sinken. Eindringlich musterte er sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu f\u00fcrchtest mich\u201c, bemerkte er entsetzt und\ntrat einen Schritt nach hinten.<\/p>\n\n\n\n<p>An seiner Haltung konnte sie erkennen, dass er\n\u00fcberlegte, wie er mit dieser Erkenntnis umgehen sollte. Momentan gab es kaum\nM\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine angemessene Reaktion, denn \u00fcberall um sie herum schoben\nsich Menschen an ihnen vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch hole deinen Umhang\u201c, murmelte er, wandte\nsich steif um und bahnte sich einen Weg zur Garderobe.<\/p>\n\n\n\n<p>Angsterf\u00fcllt sah sie ihm nach. Was sollte sie\ntun? Davonlaufen? Aber wohin? Und dann? Was, wenn er sie f\u00e4nde? Wie w\u00fcrde er sie\nbestrafen?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu ihren Gedanken, die in alle Himmelsrichtungen\ndavonstoben, verharrte sie wie erstarrt und erwartete seine R\u00fcckkehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Wortlos legte er den Umhang um ihre Schultern,\nbot ihr den Arm jedoch nicht an. Verwirrt folgte sie ihm in einigem Abstand vor\nden Konzertsaal. Die Kutschen standen hintereinander, dazwischen eilten Diener\numher, auf der Suche nach dem Gef\u00e4hrt ihrer Herren. Es war ein einziges\nDurcheinander, doch bei weitem \u00fcbersichtlicher, als es am Ende der Veranstaltung\nder Fall sein w\u00fcrde. Eamon machte einem Pagen ein Zeichen und dieser hastete\ndavon, um den Wagenf\u00fchrer des Captains zu informieren, dass er vorfahren\nsollte. Sie warteten schweigend und Abbey f\u00fcrchtete sich vor der Stille auf dem\nWeg nach Hause. Oder vor seinem Br\u00fcllen. Je nachdem.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvorkommend half er ihr beim Einsteigen, die\nBer\u00fchrung seiner H\u00e4nde brannte auf ihrer Haut. Zitternd dr\u00fcckte sie sich in\neine Ecke. Eamon war ihr unheimlich. Mit jedem Tag mehr. Diese \u00fcberw\u00e4ltigende\nAngst hatte sich wie ein Funken in ihrem Inneren entz\u00fcndet. Trotzdem w\u00fcnschte\nsie sich, er w\u00fcrde endlich sein wahres Gesicht zeigen. Dann w\u00fcsste sie\nwenigstens, woran sie war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch verstehe nicht\u201c, murmelte er, nachdem sie\nden Trubel hinter sich gelassen hatten und durch menschenleere Stra\u00dfen fuhren.\n\u201eWas habe ich getan?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey presste die Handfl\u00e4chen aneinander, bem\u00fchte\nsich, auf diesem Weg den inneren Druck abzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNichts\u201c, fl\u00fcsterte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber du hast Angst vor mir! Leugne es nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie holte zitternd Luft, nickte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeshalb?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er beugte sich vor, st\u00fctzte die Ellbogen auf den\nKnien ab und hielt ihr die H\u00e4nde mit den Handfl\u00e4chen nach oben hin.\nSekundenlang starrte sie darauf, dann legte sie z\u00f6gernd ihre H\u00e4nde darauf.\nSeine Daumen glitten \u00fcber ihre Handr\u00fccken und streichelten sie sanft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wei\u00df es nicht &#8230; vermutlich liegt es daran,\ndass ich dich nicht kenne.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eamon runzelte die Stirn. \u201eWir sind seit zwei\nMonaten verheiratet\u201c, erinnerte er sie. \u201eDu solltest mir gegen\u00fcber Vertrauen\ngefasst haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey wich seinem Blick aus und musterte das z\u00e4rtliche\nStreicheln seiner Finger.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch verspreche dir, Adeen, dass ich meine Faust\nnie gegen dich erheben werde. Nie k\u00f6nnte ich dir etwas zuleide tun, Liebes. Du\nbist alles f\u00fcr mich, das wei\u00dft du doch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Am liebsten h\u00e4tte sie sich ihm entrissen. Er sprach\nnicht mit ihr. Wie so oft. Ein Schluchzen stieg in ihr auf und sie war unf\u00e4hig,\nes zur\u00fcckzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm Himmels willen\u201c, stie\u00df er entsetzt hervor,\n\u201eLiebste, warum weinst du?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie entzog ihm die H\u00e4nde und versteckte ihr\nGesicht dahinter, wandte sich ab und dr\u00fcckte sich in die Ecke.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAdeen, Liebes\u201c, rief er sie beunruhigt, vermied\nes aber, sie zu ber\u00fchren. \u201eSag mir, was dich bek\u00fcmmert! Ist es, weil ich dir\nbisher kein Scho\u00dfh\u00fcndchen gekauft habe? Es tut mir leid, ich wollte das in\nLondon erledigen. Doch wenn du es sofort haben willst, kannst du dir gleich morgen\neines aussuchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sein vollkommenes Missdeuten ihres Innenlebens\nverst\u00e4rkte ihren Schmerz und sie schluchzte heftiger.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAdeen, mein kleiner, lieber Schatz, geht es dir\nbesser, wenn ich dir einen Hund kaufe? Oder ein neues Kleid? Was ist es, das\ndich wieder gl\u00fccklich macht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gar nichts davon, aber das w\u00fcrde er nicht\nverstehen. Sie biss sich auf die Unterlippe und unterdr\u00fcckte ihre Verzweiflung\nmit aller Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin H\u00fcndchen w\u00e4re sch\u00f6n\u201c, fl\u00fcsterte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00fcrde ihr nicht helfen, aber zumindest konnte\nsie es streicheln und lieben. Es verw\u00f6hnen und umsorgen. Es ber\u00fchren. Ihre\nEinsamkeit w\u00fcrde nachlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erleichtert, eine L\u00f6sung gefunden zu haben, stie\u00df\ner die Luft aus und lehnte sich zur\u00fcck. \u201eDann soll es so sein. Morgen bekommst\ndu deinen Hund.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie brachte es nicht \u00fcbers Herz,\neinen Arm um ihn zu schlingen, als er an diesem Abend mit ihr tanzte. Abgesehen\ndavon lehnte sich Abbey in ihren Gedanken nicht an seine Brust, sondern tr\u00e4umte\nsich an einen fernen Ort. Weit weg. In ein anderes Leben, mit einem anderen\nMann. Sanft k\u00fcsste er sie auf die Stirn, bevor sie sich in ihr Zimmer\nzur\u00fcckzog.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMorgen, nachdem wir deinen Hund geholt haben,\nwerden wir ein Picknick unternehmen\u201c, teilte er ihr mit und Abbey nickte resigniert,\nzog dann die T\u00fcr hinter sich zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, das ist er!\u201c, rief Abbey\nbegeistert und zeigte auf ein winziges wei\u00dfes Fellkn\u00e4uel, das aufgeregt um ihre\nF\u00fc\u00dfe sprang.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorsichtig, um auf keinen der kleinen Hunde zu\nsteigen, ging sie in die Hocke und streckte die H\u00e4nde nach ihrer Wahl aus.\nSanft umfasste sie das Tierchen um die Brust, hob es hoch und richtete sich\nauf. Selig drehte sie sich zu Eamon um. \u201eIst er nicht herzallerliebst?\u201c,\nstrahlte sie ihn, au\u00dfer sich vor Freude, an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, er ist f\u00fcrwahr reizend\u201c, stimmte er sofort\nzu und die Erleichterung dar\u00fcber, dass sie die traurige Verstimmung wieder\nabgesch\u00fcttelt hatte, stand ihm ins Gesicht geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch w\u00e4hle ihn oder ist es ein M\u00e4dchen?\u201c, fragte\nsie an den Z\u00fcchter gewandt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist ein Weibchen\u201c, erwiderte dieser\nausdruckslos und Abbey lachte ihren Mann heiter an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas bedeutet, von jetzt an sind wir in der\n\u00dcberzahl!\u201c, kicherte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu vergisst die Hengste\u201c, erinnerte der Captain\nsie schmunzelnd und die W\u00e4rme in seinen Augen floss bis in ihr Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, die habe ich vergessen\u201c, gab sie ausgezeichnet\ngelaunt nach.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir nehmen die kleine Ratte\u201c, erkl\u00e4rte Mac\nGuaire und zog eine Geldb\u00f6rse aus seiner Jackettasche.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu beleidigst Missy!\u201c, emp\u00f6rte sich Abbey. \u201eSie\nist von edler Rasse!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er lachte auf. \u201eMissy? Hei\u00dft sie so? Himmel hilf,\nwann ist dir dieser Name eingefallen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGerade eben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Z\u00fcchter nannte den Preis, ohne sich anmerken\nzu lassen, was er \u00fcber das junge Ehepaar dachte. Eamon dr\u00fcckte ihm den\ndoppelten Betrag auf die Handfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber &#8230;\u201c, murmelte der Mann, doch der Captain\nging nicht darauf ein, legte eine Hand an Abbeys Taille und schob sie sanft zur\nKutsche zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, er ist so niedlich!\u201c, schw\u00e4rmte sie, als sie\ndas H\u00fcndchen auf ihrem Scho\u00df hielt und sich das Gef\u00e4hrt in Bewegung setzte. \u201eUnd\ndiese kleine Nase! Missy, du bist eine Sch\u00f6nheit!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eamon unterdr\u00fcckte seine Erheiterung und lehnte\nsich ihr gegen\u00fcber zur\u00fcck, verschr\u00e4nkte die Arme und betrachtete seine Frau\nwohlwollend. Die legte dem Tier vorsichtig ein Halsband um und befestigte eine\nLeine daran.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo, jetzt kannst du bei unserem Picknick nicht\ndavonlaufen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kutsche hielt vor einem\ndichten Wald, dessen Boden von einzelnen Lichtpunkten erhellt wurde. Farne\n\u00f6ffneten ihre feder\u00e4hnlichen Bl\u00e4tter wie Wasserfont\u00e4nen \u00fcber einem weichen Meer\naus dunkelgr\u00fcnem Moos und ein erdiger Geruch zeugte von der Urspr\u00fcnglichkeit\ndes Ortes. Eamon half seiner Frau und Missy ins Freie und griff dann nach einem\nKorb, den er f\u00fcr diesen Anlass hatte packen lassen. Er nahm ihre Hand in seine\nund f\u00fchrte sie auf einen schmalen Waldweg. Unterschiedliche Schattierungen aus\nGr\u00fcn lie\u00dfen sie tief durchatmen und sie w\u00e4hnten sich, in eine M\u00e4rchenwelt\neinzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGlaubst du, ich soll sie absetzen?\u201c, wollte\nAbbey begeistert wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum nicht? Du hast sie angeleint.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vorsichtig stellte sie das Tier auf den Boden,\ndas sogleich wild mit dem Schwanz wedelte, die Schnauze senkte und aufgeregt\nschnupperte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHoffentlich wird sie nicht schmutzig!\u201c, murmelte\nAbbey, was ihn erneut auflachen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVermutlich wird sie nach unserem Ausflug nicht\nmehr sch\u00e4fchenwolkenwei\u00df sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Entsetzt sah Abbey ihn an. \u201eDann sollte ich sie\nwohl doch lieber tragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er zuckte mit den Achseln und sie nahm das Tier\nwieder auf den Arm. So spazierten sie eine Weile und erreichten bald eine\nsonnige Lichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Wetter ist ideal\u201c, stellte Eamon zufrieden\nfest.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist traumhaft. Ein ungew\u00f6hnlich warmer Tag!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey beobachtete ihren Mann, der eine Decke\nausbreitete und den Korb darauf abstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte, setz dich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er half ihr dabei, sich auf dem Lager niederzulassen.\nSie kicherte, als Missy von ihrem Scho\u00df springen wollte und deshalb wie\nverr\u00fcckt an der Leine zog.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, du musst hierbleiben! Ich will nicht, dass\ndu sp\u00e4ter wie ein Wildschwein aussiehst!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eamon lie\u00df sich auf ein Knie herab und richtete\ndie vorbereiteten K\u00f6stlichkeiten in der Mitte der Decke an. Der Wohlgeruch zog\nMissys Aufmerksamkeit auf sich. Ihr kleines N\u00e4schen zitterte, so intensiv\nschnupperte sie, dabei zerrte sie heftig an der Leine, um das Ziel ihres\nBegehrens zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, du schlimmer Hund\u201c, schimpfte Abbey. \u201eDas\nist nicht f\u00fcr dich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Captain fertig war, setzte er sich ihr\ngegen\u00fcber. \u201eWas darf ich dir reichen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch glaube, das wird nichts\u201c, gluckste die junge\nFrau. \u201eMit Missy auf dem Scho\u00df werde ich nicht essen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann binde ich sie in der Zwischenzeit an einem\nBaum fest.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein! Die Arme!\u201c Emp\u00f6rt dr\u00fcckte sie den Hund an\nihre Brust.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn du fertig bist, kannst du sie wieder holen.\nEs ist erforderlich, dass wir beide jetzt essen. So ist es vorgesehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey runzelte die Stirn. \u201eWir k\u00f6nnten es auch\nnacheinander tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Eamon sch\u00fcttelte entschieden den Kopf. \u201eWir\nm\u00fcssen es gleichzeitig machen, Adeen. Das ist der Ablauf. Dann wirst du mich\nansehen und ich werde dich k\u00fcssen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Erschrocken riss sie die Augen auf. \u201eDu willst\nmich k\u00fcssen? Warum heute?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeil es so geschehen muss, Adeen. Wie damals.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eisesk\u00e4lte lie\u00df sie augenblicklich erstarren.\nWollte er wieder eine weit zur\u00fcckliegende Erinnerung zum Leben erwecken, wobei\nes dabei belanglos w\u00e4re, mit wem er in die Vergangenheit eintauchte? Missy\nnutzte den Moment ihrer Unaufmerksamkeit und riss sich los. Mit einem Satz\nlandete sie inmitten der K\u00f6stlichkeiten und schnappte sich einen Schinken, der\ndanach vorwitzig aus ihrem Maul ragte.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsetzen verzerrte Eamons Gesichtsz\u00fcge, bevor\nsich aufflammender Zorn dar\u00fcberlegte. Mit einer flinken Bewegung packte er\nMissy am Nacken und hob sie auf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLass sie los! Du tust ihr weh!\u201c, schrie Abbey\nund sprang auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber er war schneller auf den Beinen und stapfte\nauf den Rand der Lichtung zu. Abbey rannte ihm hinterher, umfasste ihn am Arm,\ndarum bem\u00fcht, ihn zur\u00fcckzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte, tu ihr nicht weh! Sie hat es doch nicht\nso gemeint!\u201c Ihre Angst vermischte sich mit hei\u00dfen Tr\u00e4nen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie hat alles kaputt gemacht!\u201c, stie\u00df er w\u00fctend\nhervor, hielt vor einem Baum, setzte das Tier ab und band es an einem Ast fest.\nDann griff er nach Abbeys Hand und zog sie mit sich zur Decke zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte, Eames\u201c, schluchzte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMissy ist ein Hund. Es wird ihr nicht schaden,\nauf uns zu warten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Moment begann das Tier hysterisch zu\nkl\u00e4ffen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerdammt\u201c, fluchte der Captain. \u201eH\u00e4tte ich dir\ndoch keines dieser Biester gekauft!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der Picknickdecke hielt er an und starrte auf\ndas Malheur. Abbey konnte seine Entt\u00e4uschung fast mit H\u00e4nden greifen. Er b\u00fcckte\nsich, ergriff die Decke an zwei Enden und zog fest an. Geschirr und Essen\npurzelten durcheinander und landeten auf dem Boden. Die junge Frau beobachtete\nihn entsetzt und schluchzte laut auf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu und dein Hund, ihr habt alles zerst\u00f6rt\u201c,\nerkl\u00e4rte er ausdruckslos, wandte sich ab und ging.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEames\u201c, rief sie und rannte ihm hinterher,\npackte ihn wieder am Arm. \u201eEs tut mir so leid! Das wollten Missy und ich nicht!\nBitte, sei nicht so erbost!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er hielt inne, wandte sich ihr zu und sah auf sie\nherab. Sein Blick war glasig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSprechen wir nicht weiter davon\u201c, murmelte er\nabwesend. \u201eHol den Hund. Wir fahren nach Hause.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd der Picknickkorb?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBleibt hier. Wir ben\u00f6tigen ihn nicht mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Herz wurde schwer, als sie ihren Gemahl\nloslie\u00df und geknickt zu dem kleinen, bellenden Hund lief, um ihn loszubinden.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Abend schickte Eames seine Frau fort,\nals sie kam, um mit ihm zu tanzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier wirst du w\u00e4hrend der\n\u00dcberfahrt bleiben\u201c, erkl\u00e4rte Eamon einige Wochen sp\u00e4ter und \u00f6ffnete eine\nschmale T\u00fcr zu einer winzigen Kaj\u00fcte. \u201eWenn uns der Wind keinen Strich durch\ndie Rechnung macht, werden wir vor Sonnenuntergang in London anlegen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey nickte nerv\u00f6s. Der schwankende Boden war\nihr nicht geheuer. Auch bei ihren letzten Meeres\u00fcberquerungen war sie immer erleichtert\ngewesen, sobald sie wieder festes Land unter den F\u00fc\u00dfen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein fr\u00fcher Morgen Ende September und die\nbeste Zeit, um nach London zu ziehen. Eine lange, abwechslungsreiche Saison lag\nvor Abbey und diese sehnte sich nach den ausschweifenden gesellschaftlichen\nEreignissen, die bald ihre Tage f\u00fcllen w\u00fcrden. Alles, was sie von der\nBeklemmung innerhalb ihrer Ehe ablenkte, ergriff sie mit fiebriger\nBegeisterung.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie weiter in den Raum trat, streifte sie mit\ndem Oberarm unabsichtlich seine Brust, doch sie tat, als bemerkte sie es nicht\nund sah sich aufmerksam um. Die sp\u00e4rlich vorhandene Einrichtung bestand aus einem\nschmalen Bett, das am Boden fixiert war, einem Tisch, zwei St\u00fchlen und einem\nkleinen Ofen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie<em> Freedom<\/em> ist ein Handelsschiff, kein\nPassagierschiff\u201c, erkl\u00e4rte er entschuldigend. \u201eEs ist nur f\u00fcr einen halben Tag.\nMeinst du, du ertr\u00e4gst es?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGewiss.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey w\u00fcnschte, Missy w\u00e4re hier. Der kleine Hund\nw\u00fcrde sie auf andere Gedanken bringen. Doch Eamon hatte darauf bestanden, sie\nin ihrem Haus in Dublin zur\u00fcckzulassen. Er war nicht davon abzubringen, dass\nLondon ungeeignet f\u00fcr das Halten eines Tieres sei. Jedes Argument dagegen wurde\nvehement abgeschmettert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem Seufzen lie\u00df sie sich aufs Bett sinken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu k\u00f6nntest ein wenig schlafen\u201c, schlug er vor.\n\u201eSp\u00e4ter werde ich nach dir sehen. Wir nehmen das Mittagsmahl gemeinsam ein. Ich\nverlange, dass du hierbleibst und keinen Schritt vor die T\u00fcr setzt, hast du\nmich verstanden?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die junge Frau nickte. \u201eUntersagst du es mir\nau\u00dferdem, an Deck zu gehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa. Du bleibst hier. Es ist zu gef\u00e4hrlich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas verstehe ich nicht. Was genau?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er zog die Augenbrauen zusammen, als er sie\nstreng musterte: \u201eErstens lehnen Seem\u00e4nner Frauen an Bord ab. Sie bringen\nUngl\u00fcck. Zweitens: Sollten sie dennoch erfahren, dass eine in ihrer N\u00e4he ist,\nsch\u00fcrt das die Glut ihrer Leidenschaft. Drittens: Wenn sich ihnen dieses\nweibliche Wesen zus\u00e4tzlich an Deck pr\u00e4sentiert, gibt es kein Halten mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Verst\u00e4ndnislos suchte Abbey seinen Blick. \u201eHalten\nwovor?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er schloss die T\u00fcr, trat n\u00e4her. \u201eKannst du es dir\nnicht vorstellen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Verwirrt sch\u00fcttelte sie den Kopf. Sein\nAugenausdruck ver\u00e4nderte sich und er wurde zu einem Mann, den sie nicht kannte.\nWieder entz\u00fcndete sich Angst in ihr. Mit einem Schritt war er bei ihr, packte\nsie an den Schultern und dr\u00fcckte sie zur\u00fcck. Mit einem leisen Aufschrei fiel\nsie nach hinten aufs Bett. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie den Captain\nan. Sein Gesicht schwebte wenige Zentimeter \u00fcber ihrem. Mit den Knien st\u00fctzte\ner sich auf der Bettkante ab, eine Hand bohrte sich neben ihrem Kopf in die Matratze.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEames, bitte\u201c, flehte sie. \u201eIch habe\nverstanden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er nahm den Blick nicht von ihr, hielt sie damit\ngefangen. Die darin enthaltenen Gef\u00fchle l\u00f6schten ihre Angst aus. Langsam neigte\ner den Kopf und k\u00fcsste sie auf die Stirn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBleib blo\u00df in der verdammten Kabine, Adeen\u201c,\nmurmelte er und richtete sich auf. \u201eWidersprich mir nicht st\u00e4ndig. Ich will nur\ndein Bestes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vollkommen durcheinander setzte sie sich auf und\nbeobachtete ihn auf dem kurzen Weg zur T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSperr ab!\u201c, befahl er, bevor er diese hinter sich\nzuzog.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl er sich eindringlich\ndarum bem\u00fchte, es zu verbergen, entging Abbey nicht, dass etwas Wildes und\nRaues unter der glatten, kultivierten Oberfl\u00e4che ihres Mannes schlummerte. Ein\nungeschliffenes Wesen, das er meisterhaft zu unterdr\u00fccken vermochte. Zumindest\nin ihrer Gegenwart. Nie h\u00e4tte sie angenommen, dass er sie jemals mit ruhiger\nKraft auf eine Matratze dr\u00fccken w\u00fcrde. Heute hatte er es getan. Es hatte ihn\nnicht einmal angestrengt. Sollte er es irgendwann darauf anlegen, sie zu\nbezwingen, h\u00e4tte er leichtes Spiel mit ihr. Die junge Frau konnte nur hoffen,\ndass sich sein Zorn niemals gegen sie richten w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit geschlossenen Augen rollte sie sich auf dem\nBett zusammen und sehnte sich danach, sich endlich zwischen den Zerstreuungen,\ndie London bot, aufl\u00f6sen zu k\u00f6nnen.<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Erst dort am Grabe gewahrte\ner, was er verloren hatte\u2026<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Leben als verheiratete Frau\ngestaltete sich tausendmal besser, als Abbey es f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte.\nDeb\u00fctantinnen waren einem strikten Reglement und Zeitplan unterworfen, doch Ehefrauen\ngenossen jegliche Freiheiten, die ihre Gatten ihnen einr\u00e4umten. F\u00fcr Abbey gab\nes keinen Grund zur Klage, denn Eamon hielt sein Wort. Er beschwerte sich weder\ndar\u00fcber, sie kaum zu Gesicht zu bekommen, noch \u00fcber die horrenden Ausgaben, die\ndas gesellschaftliche Leben mit sich brachte. Es war erforderlich, ihre\nGarderobe und alles, was dazugeh\u00f6rte, mehrfach aufzustocken. Er bezahlte die\nRechnungen umgehend und ohne mit der Wimper zu zucken. Sie veranstaltete B\u00e4lle in\nihrem eigenen Haus und er stand an ihrer Seite, um die G\u00e4ste zu begr\u00fc\u00dfen. Er\navancierte auch hier zum Traum der Frauen, wohingegen sich die M\u00e4nner \u00fcber\nseinen Hang, stets von seiner Gattin zu schw\u00e4rmen, wunderten. Es war\nun\u00fcbersehbar, dass der Captain seine Gemahlin verg\u00f6tterte. Trotzdem verk\u00fcmmerte\nAbbeys Herz aufgrund seines Desinteresses gegen\u00fcber ihrer eigenen Person.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem R\u00fcckweg von einem\nOpernbesuch fasste Abbey den Entschluss, mit Eamon zu sprechen. Sie wollte, ja\nkonnte nicht mehr auf diese Weise weiterleben. Sie begegneten einander kaum und\nwenn, hatte sie das Gef\u00fchl, ihn nicht besser zu kennen, als am Tag ihrer ersten\nBegegnung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIst der Captain noch wach?\u201c, wollte sie wissen,\nals sie sich in der Halle aus dem Mantel sch\u00e4lte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSoweit mir bekannt ist, ja, Mrs Mac Guaire. Er\nhat sich allerdings in seine Gem\u00e4cher zur\u00fcckgezogen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDanke.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey reichte ihm die Handschuhe und begab sich\nin den oberen Stock. In ihrem Zimmer nahm sie den Hut ab und musterte sich ein\nletztes Mal kritisch im Spiegel. Obwohl die Stunde fortgeschritten war, wirkte\nsie frisch und munter. London schmeichelte eindeutig ihrem Teint.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter \u00f6ffnete sie die T\u00fcr zum privaten\nSalon ihres Mannes. Seit jenem Tag mit Missy hatte er nicht mehr mit ihr\ngetanzt und sie f\u00fchlte sich in seinem Reich unbehaglich, so, als h\u00e4tte sie\nkeinerlei Recht darauf, sich hier aufzuhalten. Diese Gedanken streiften sie,\nals sie eintrat und die T\u00fcr hinter sich schloss. Einige \u00fcber den Raum verteilte\n\u00d6llampen brannten, dennoch war das Zimmer leer. Hatte sich der Captain mittlerweile\nzu Bett begeben? Beklemmung erf\u00fcllte sie, trotzdem beschloss sie, keinen\nR\u00fcckzieher zu machen. Leise huschte sie weiter zur Schlafzimmert\u00fcr. Diese war\nnur angelehnt und sie stie\u00df sie vorsichtig auf. Eamon entledigte sich soeben\nseines Hemdes und warf es \u00fcber einen Stuhl. Es war das erste Mal, dass sie\neinen nackten m\u00e4nnlichen Oberk\u00f6rper erblickte und sie hielt unvermittelt die\nLuft an. Angesichts der ausgepr\u00e4gten Muskelberge auf seinen stattlichen\nSchultern und Oberarmen schluckte sie und ihre Knie wurden weich. Ein Keuchen\nl\u00f6ste sich von ihren Lippen und sein Kopf fuhr herum. Sekundenlang starrte er\nsie an, als \u00fcberlegte er, wer sie war und woher sie kam. Dann hellten sich\nseine Z\u00fcge auf und er schnappte sich das Hemd.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAdeen\u201c, murmelte er, \u201edu solltest mich so nicht\nsehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum nicht?\u201c, wollte sie wissen und lehnte sich\nan den T\u00fcrrahmen. Beobachtete ihn dabei, wie er in die \u00c4rmel schl\u00fcpfte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas fragst du mich? Weil es unangemessen ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber warum ist es das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist f\u00fcr uns nicht vorgesehen, dass du mich so\nsiehst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon wem vorgesehen, Eamon?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er erstarrte. \u201eNenne mich nicht so.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber es ist dein Name. Ich bin gekommen, um dir\nmitzuteilen, dass ich mich weigere, auf diese Weise weiterzuleben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie genau?\u201c Seine Augen verengten sich zu schmalen\nSchlitzen, w\u00e4hrend er sie forschend betrachtete. \u201eWillst du nach Galway\nzur\u00fcckkehren? Meinetwegen, ich habe nichts dagegen einzuwenden. Meine\nwichtigsten Kontaktpersonen habe ich alle getroffen, die Tagesgesch\u00e4fte kann\nich genauso gut von Irland aus erledigen. Abgesehen davon gibt es dort ohnehin\netwas zu kl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, das meinte ich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas dann, Adeen? Was k\u00f6nnte dich au\u00dferdem zu\neiner solchen Aussage verleiten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDieser verfluchte Name.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er riss die Augen auf und sch\u00fcttelte den Kopf.\n\u201eIch habe mich zweifellos verh\u00f6rt. Was sagtest du, Liebes?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch sagte, dass Adeen ein verfluchter Name ist\nund dass ich ab jetzt darauf bestehe, endlich mit meinem richtigen angesprochen\nzu werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zorn blitzte in seinen Augen auf. \u201eWir haben eine\nAbmachung, welche die Grundlage unserer Ehe darstellt. Wie ich dich rufe, ist\nTeil davon. Ich sehe nicht ein, mit dir deswegen zu verhandeln. Gibt es\nau\u00dferdem etwas, das du mir mitteilen willst?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aller Widerstand fiel angesichts seiner Kompromisslosigkeit\nin sich zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber ich ertrage das nicht mehr! Ich kann nicht\nl\u00e4nger das Leben einer anderen Frau f\u00fchren. Ich bin nicht sie, Eamon! Lass sie\ndoch endlich hinter dir!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er ballte die H\u00e4nde und seine Bauchmuskeln\nspannten sich an. Sie konnte es erkennen, da er das Hemd nicht geschlossen\nhatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu wei\u00dft nicht, was du da von mir verlangst!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hoffnung, ihm endlich n\u00e4herzukommen, zuckte wie\neine kleine Flamme in ihrem Herzen auf.&nbsp;\n\u201eIch w\u00fcrde dir gerne helfen! Willst du es mir erz\u00e4hlen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er schloss die Augen, schwankte. Doch dann spannte\ner sich noch mehr an, sodass die Sehnen seines Halses hervortraten. Jetzt bekam\nsie es mit der Angst zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerschwinde\u201c, knurrte er und unterdr\u00fcckte Wut\nknisterte in der Luft. \u201eIch werde dieses Gespr\u00e4ch vergessen. Morgen fahren wir\nfort wie bisher. Hast du mich verstanden, <em>Adeen<\/em>?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes seiner Worte f\u00fchlte sich wie Pr\u00fcgel an, die\ner auf sie niedersausen lie\u00df, und sie zuckte darunter zusammen. Er wollte sie\nnicht verstehen, weigerte sich, sich die M\u00fche zu machen, dar\u00fcber nachzudenken,\nwie es ihr erging, wie sie empfand.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, Eames\u201c, lenkte sie weinend ein und wandte\nsich ab, floh in ihre eigenen Gem\u00e4cher. Sie schluchzte hemmungslos und konnte\nsich lange Zeit nicht beruhigen. Erst als sie einen Plan gefasst hatte, f\u00fchlte\nsie sich besser. \u201eIch werde dich verlassen, Eamon Mac Guaire\u201c, schwor sie sich\nund sprach es trotzig aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wischte sie die Tr\u00e4nen ab und klingelte nach\nder Zofe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie war deine gestrige\nAbendgesellschaft\u201c, wollte Eamon freundlich wissen, als sie am darauffolgenden\nVormittag den Speiseraum betrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lie\u00df sich nicht anmerken, wie tief sie sein\nun\u00fcberh\u00f6rbarer Hohn verletzte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00dcberaus unterhaltsam\u201c, erwiderte sie. \u201eUnd wie\nwar es bei dir?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs gibt schlechte Nachrichten\u201c, meinte er,\nwirkte aber nicht, als w\u00fcrden ihn diese belasten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa?\u201c, wollte sie erstaunt, dass er sie an seinem\nLeben Anteil haben lie\u00df, voller Neugier wissen. \u201eWas ist passiert?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEines meiner Schiffe wurde \u00fcberfallen. Ich habe\ndas erste Mal, seit ich als Reeder t\u00e4tig bin, eine Fracht verloren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, das tut mir leid\u201c, emp\u00f6rte sie sich. \u201eWei\u00df\nman, wer es war?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVermutlich Piraten. Heutzutage kann man das\nnicht so genau erkennen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHm.\u201c Abbey griff nach einem Toast und bestrich\nihn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs k\u00f6nnte ebenso gut ein spanisches oder franz\u00f6sisches\nSchiff gewesen sein\u201c, fuhr er fort und sie biss in die Brotscheibe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas wirst du jetzt unternehmen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch muss dem Befrachter die schlechte Nachricht\nseines Verlustes \u00fcberbringen. Wenn du m\u00f6chtest, darfst du mich begleiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWohin?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNach Galway.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey riss die Augen auf und starrte ihren Mann\nfassungslos an. \u201eDeutest du damit an, dass diese Trag\u00f6die die G\u00fcter meines\nVaters betrifft?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo ist es.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schnappte nach Luft. \u201eEr wird au\u00dfer sich\nsein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVermutlich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr wird dich mit seinen eigenen H\u00e4nden\nermorden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas wird ihm kaum gelingen. Abgesehen davon\nwerde ich ihm vorschlagen, f\u00fcr die H\u00e4lfte des Verlustes aufzukommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerf\u00fcgst du denn \u00fcber die n\u00f6tigen Mittel?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSicher. N\u00f6tigenfalls k\u00f6nnte ich einen Teil\ndeiner Garderobe verkaufen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas willst du damit andeuten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er l\u00e4chelte sie freundlich an. \u201eEreifere dich\nnicht, Adeen. Ich habe nur einen Scherz gemacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Statt einer Antwort biss sie wieder in den Toast\nund kaute nachdenklich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch ziehe es vor, hierzubleiben\u201c, erkl\u00e4rte sie\nnach einer Weile.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs sei dir \u00fcberlassen. Ich bin vermutlich\ninnerhalb einer Woche zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie zuckte mit den Achseln. Es w\u00fcrde sie nicht\nst\u00f6ren, wenn er f\u00fcr immer fortbliebe. Es machte f\u00fcr sie keinen erheblichen\nUnterschied.<\/p>\n\n\n\n<p>Mac Guaires Abreise wirkte sich\npositiv auf Abbeys Gem\u00fctszustand aus. Obwohl sie einander selten begegnet\nwaren, hatte sie doch immer im Hinterkopf behalten, dass er nur ein paar T\u00fcren\nentfernt weilte. Nun geh\u00f6rte ihr das komplette Haus. Sie k\u00f6nnte, wenn sie es\ndenn wollte, in seinem Bett schlafen und er vermochte nichts dagegen zu unternehmen.\nAber warum sollte sie das tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00f6hlich drehte sie sich vor dem Spiegel und\nrichtete sich die venezianische Augenmaske. F\u00fcr den kommenden Abend stand ein\nMaskenball auf dem Programm, den sie schon seit Tagen herbeisehnte. Die\nVorstellung, nicht zu wissen, mit wem man tanzte, beschleunigte ihren Puls.\nIhrer Ansicht nach gab es kein anderes gesellschaftliches Ereignis, welches\ndiesen Ball an Verwegenheit \u00fcberbot.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Erwartungen wurden von der Realit\u00e4t bei\nweitem \u00fcbertroffen, ein Umstand, der selten eintraf. Die Blicke der Galane,\nderen funkelnde Augen und l\u00e4chelnde M\u00fcnder das einzige waren, was sie von sich\npreisgaben, hielten sie unentwegt in Atem. Sie malte sich aus, wie sie unter\nden Masken aussahen, welch einflussreiche M\u00e4nner diese verbargen. Abbey lachte,\ntanzte und flirtete. Sie trank von der alkoholischen Bowle, die gereicht wurde,\nund hoffte, dass der Abend nie enden w\u00fcrde. Sie w\u00fcnschte, f\u00fcr immer hierbleiben\nzu k\u00f6nnen und nicht an die Seite ihres Gemahls zur\u00fcckkehren zu m\u00fcssen, f\u00fcr den\nsie nicht existierte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDarf ich Euch ein weiteres Gl\u00e4schen von der\nberauschenden Bowle bringen, Mylady?\u201c, wollte ihre aktuelle Begleitung h\u00f6flich\nwissen, wobei er sich vorbeugte und mit den Lippen ihr Ohr ber\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr K\u00f6rper prickelte aufgrund der N\u00e4he dieses geheimnisvollen\nMannes.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBesten Dank, momentan nicht. Zurzeit ersehne ich\netwas frische Luft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es war mittlerweile \u00fcberaus stickig im Saal. Das\nFunkeln seiner Augen verst\u00e4rkte sich und er bot ihr den Arm. Sie h\u00e4ngte sich\nbei ihm ein. In dem Moment wurden die Lichter gel\u00f6scht (bis auf die Kerzen der\nLuster, die zu hoch hingen, um schnell daran zu kommen) und ein Raunen schwoll\ndurch die Menge. Ihr Begleiter zog sie mit sich an den Saalrand, der jetzt im\nDunkeln lag.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas soll das?\u201c, fragte Abbey erschrocken, als er\nsich zu ihr drehte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist die Mitternachtseinlage bei einem\nMaskenball\u201c, erkl\u00e4rte er und wieder ber\u00fchrte sein Mund ihr Ohr. Dann f\u00fchlte\nsie, dass er ihr einen sinnlichen Kuss darauf dr\u00fcckte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd &#8230; und was kommt jetzt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcr ein paar Minuten ist es gestattet, die\nMasken abzunehmen, ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, erkannt zu werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeshalb sollte man das tun?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Seine H\u00e4nde legten sich auf ihre Schultern und\ndr\u00fcckten sanft zu. Hitze breitete sich von seinen Handfl\u00e4chen auf ihrer nackten\nHaut in alle Regionen ihres K\u00f6rpers aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch werde es Euch zeigen\u201c, l\u00e4chelte er und seine\nZ\u00e4hne funkelten im Zwielicht. \u201eDarf ich?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie nickte und l\u00f6ste die Maske. Er tat es ihr\ngleich und klemmte sich beide zwischen die Beine. Im n\u00e4chsten Augenblick hatte\ner sie in die Arme gezogen und presste seinen Mund auf ihren. \u00dcberrumpelt lie\u00df\nAbbey es geschehen und wunderte sich \u00fcber die Neugier, die zeitgleich in ihr\nerwachte. Es war erstaunlich angenehm, diesen fremden Mann zu k\u00fcssen.\nZweifellos wusste er von der Beschaffenheit des weiblichen K\u00f6rpers, denn sie\nreagierte unerwartet heftig darauf. Niemals h\u00e4tte sie angenommen, auf diese\nWeise empfinden zu k\u00f6nnen. Als w\u00fcrden Schmetterlinge durch ihren Bauch flattern\nund von dort in ihren kompletten Leib ausstr\u00f6men. Ohne zu \u00fcberlegen, klammerte\nsie sich an seine Schultern. Er drehte sie etwas, dr\u00e4ngte sie an die Wand und\nsie keuchte auf. Das also war Leidenschaft. Endlich verstand sie, weshalb man\nvor ihrer gef\u00e4hrlichen Kraft warnte. Einmal entfacht war sie ein kaum zu\nb\u00e4ndigendes Feuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er sich von ihr l\u00f6ste, war sie entt\u00e4uscht.\nSeine Hand ruhte an ihrer Wange und sein Daumen streichelte sie sanft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSeid Ihr verheiratet?\u201c, wollte er leise an ihrem\nOhr wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, gestand sie und \u00e4rgerte sich einen\nSekundenbruchteil sp\u00e4ter \u00fcber ihre Aufrichtigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAusgezeichnet.\u201c Es schien ihn nicht zu st\u00f6ren.\n\u201eW\u00fcnscht Ihr, mich erneut zu treffen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, hauchte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Mann besa\u00df alles, wonach sie sich sehnte.\nEs hatte nicht lange gedauert, um das zu erkennen. Sie bemerkte, dass er in seine\nHosentasche griff und etwas herauszog. Bebend vor Verlangen gewahrte sie, dass\ner eine Visitenkarte in ihr Dekolletee schob. Dabei streifte er ihre Brust, die\nsofort nach einer intensiveren Ber\u00fchrung verlangte. Schon trat er einen Schritt\nzur\u00fcck und reichte ihr die Maske, die sie mit zitternden H\u00e4nden befestigte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTragt diese bei unserem baldigen Treffen\u201c,\nraunte er ihr zu. \u201eKommt ins Countryside-Inn. Schickt mir eine Nachricht,\nwann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er l\u00f6ste sich von ihr und war Augenblicke sp\u00e4ter\nzwischen den anderen G\u00e4sten verschwunden. Nach und nach wurden die Lichter\nwieder entz\u00fcndet, doch Abbey lehnte an der Wand, zu geschw\u00e4cht, um sich zu\nbewegen. Ununterbrochen erinnerte sie sich an das, was soeben geschehen war. Sein\nKuss, seine Ber\u00fchrungen, seine Stimme. Sie hatte eine Aff\u00e4re, so viel stand\nfest. Sie wunderte sich dar\u00fcber, wie erhebend sich das anf\u00fchlte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Visitenkarte prangten\nnur die Initialen K. M. \u00fcber dem Schriftzug des Countryside-Inns und dessen\nAdresse. Abbey klemmte die Karte an ihren Schminkspiegel und starrte darauf,\nals ihre Zofe die Haare aufsteckte. Zwei Tage waren seit jener erregenden\nBegegnung vergangen und heute Abend w\u00fcrde sie die Bekanntschaft mit jenem Mann\nvertiefen. Als sie fertig war, steckte sie die Maske in ihre Tasche. Sie plante,\ndiese erst vor der Hotelzimmert\u00fcr aufzusetzen. Ihr geheimnisvoller Verehrer\nhatte ihr die Zimmernummer des Raumes verraten, 22, in welchem er sie erwarten\nwollte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch fahre zu einem Treffen mit Freundinnen ins\nCountryside-Inn\u201c, erkl\u00e4rte sie dem Butler. \u201eSie m\u00fcssen nicht auf mich warten.\nEs d\u00fcrfte sp\u00e4t werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSehr wohl, Mrs Mac Guaire.\u201c Der Diener verbeugte\nsich und half ihr in die Kutsche.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey vermochte nicht\nstillzusitzen und rutschte nerv\u00f6s auf dem Sitz hin und her. Obwohl ihr Gewissen\nseit jener Nacht gegen ihre Neugierde ank\u00e4mpfte, unterlag es best\u00e4ndig. Sie\nwusste, dass es falsch war, ihren Mann zu betr\u00fcgen, doch sie beteuerte sich\nselbst gegen\u00fcber, dass sie dies nicht im Geringsten k\u00fcmmerte. Denn die Frau,\nnach der ihr Gemahl verlangte, Adeen, blieb Eames treu. Sie, Abbey, war frei,\nzu tun, was sie wollte. Der Captain hatte auf jegliches Recht im Zusammenhang\nmit ihr verzichtet. Nichts verbot ihr, Spa\u00df zu haben. Oh ja, sie war bereit.\nWas auch immer K. M. von ihr forderte, sie schwor sich, es ihm ohne zu z\u00f6gern,\nzu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Kutsche mit einem Ruck hielt, wurde ihr\nein wenig bange. Was, wenn Eamon entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch eines\nTages dahinterk\u00e4me? Vermutlich w\u00fcrde er sie hart bestrafen. Besser sie dachte\nnicht daran, denn er w\u00fcrde es niemals herausfinden. Weshalb sollte er? Laut der\nan sie \u00fcbermittelten Informationen weilte er unver\u00e4ndert in Galway, weit weg\nvon hier. Aber auch wenn er in London w\u00e4re, w\u00fcrde er ihr nicht auf die Schliche\nkommen, da ihn nicht interessierte, was sie mit ihrer Zeit anstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kutschenschlag wurde ge\u00f6ffnet und Abbey stieg\nnerv\u00f6s aus. Doch sie lie\u00df sich nichts von der inneren Unruhe anmerken und\nschritt mit erhobenem Haupt auf das Eingangsportal zu. Wie sie nebenbei\nwahrnahm, handelte es sich beim Countryside-Inn um ein pr\u00e4chtiges Hotel mit\nhohen Fenstern. Eilig, dennoch darum bem\u00fcht nicht aufzufallen, strebte die\njunge Frau der Treppe entgegen. K.M. hatte ihr geschrieben, dass sich der Ort\nihres Stelldicheins im zweiten Stock befand.<\/p>\n\n\n\n<p>Leise erklomm sie mit klopfendem Herzen die\nStufen, welche mit einem dicken Teppich \u00fcberzogen waren, der ihre Schritte\nd\u00e4mpfte. Als sie einen langen Gang erreichte, atmete sie tief durch und w\u00fchlte\nin der Tasche nach ihrer Maske. Dann suchte sie die T\u00fcrnummer 22. Als sie davor\nstand, verbarg sie die obere H\u00e4lfte ihres Gesichts hinter der extravaganten\nTarnung und klopfte leise an. Sie h\u00f6rte jemanden n\u00e4herkommen und im n\u00e4chsten\nAugenblick wurde die T\u00fcr ge\u00f6ffnet. Noch bevor sie etwas sagen konnte, hatte der\nFremde sie ins Innere gezogen und k\u00fcsste sie st\u00fcrmisch, w\u00e4hrend er die T\u00fcr\nschloss.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie oft habe ich mir diesen Moment in den\nletzten Tagen ausgemalt\u201c, gestand er schwer atmend und seine H\u00e4nde machten sich\nan der Verschn\u00fcrung ihres Kleides zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit gesenktem Kopf lie\u00df sie es geschehen,\nerbebte, als er den Stoff auseinanderzog, von ihren Schultern und tiefer streifte.\nAls N\u00e4chstes half er ihr aus dem Schonkleid, dann widmete er sich dem Korsett.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDiese verfluchte Mode ist ein einziges\nHindernis\u201c, brummte er und Abbey l\u00e4chelte.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem verborgenen Winkel ihres Seins war das\nscheue M\u00e4dchen in ihr dankbar f\u00fcr die dadurch gewonnenen, wenigen Minuten, um\nsich auf das Kommende vorzubereiten. Trotzdem ging jetzt doch alles be\u00e4ngstigend\nschnell und sie schluckte die Entt\u00e4uschung dar\u00fcber hinunter, dass K.M. sie\nnicht einmal nach ihrem Wohlergehen gefragt, geschweige denn, ihr etwas zu\ntrinken angeboten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEndlich\u201c, seufzte er und riss das Korsett von\nihrem d\u00fcnnen Unterkleid.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war alles, was ihre Nacktheit vor seinen forschenden\nAugen verbarg. In Windeseile machte er mit dem Leibchen ebenso kurzen Prozess\nund half ihr, aus dem Kleiderberg zu steigen. Dann hielt er sie auf Armesl\u00e4nge\nauf Abstand, w\u00e4hrend er sie eingehend musterte. Leise pfiff er durch die Z\u00e4hne\nund sie err\u00f6tete verlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKomm her\u201c, bat er und sie trat n\u00e4her, lie\u00df sich\nvon ihm wieder in die Arme ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Lippen verbrannten ihren Mund und seine\nHandfl\u00e4chen hatten die gleiche verheerende Auswirkung auf jede Region ihres\nK\u00f6rpers, \u00fcber die sie strichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist wundersch\u00f6n\u201c, murmelte er und legte sie\naufs Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey blickte ihn versch\u00e4mt an und wandte sich\nschnell ab, als er seinerseits aus den Kleidern schl\u00fcpfte. Etwas in ihr verbot\nihr, einen anderen Mann als ihren eigenen entbl\u00f6\u00dft zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Liebhaber legte sich neben sie, beugte sich\nzu ihr und k\u00fcsste sie, w\u00e4hrend seine Finger \u00fcber ihren K\u00f6rper spielten, um sie\nabzulenken und ihr dabei zu helfen, sich zu entspannen. Mittlerweile pochte ihr\nHerz so heftig, dass sie bef\u00fcrchtete, es w\u00fcrde aus ihrer Brust springen. Als er\nsich auf sie schob, bekam sie es mit der Angst zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMylord\u201c, fl\u00fcsterte sie bebend, \u201ew\u00fcrdet Ihr bitte\nvorsichtig mit mir sein? Es ist mein erstes Mal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sekundenlang war es be\u00e4ngstigend still, dann\nstarrte er sie ungl\u00e4ubig an. \u201eWie bitte?\u201c Die Leidenschaft in seinen Augen\nerlosch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe noch nie &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Langsam richtete er sich auf und w\u00e4lzte sich von\nihr. \u201eDu sagtest, dass du verheiratet bist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist die Wahrheit.\u201c Sie setzte sich auf und\nzog die Beine an, dann schlang sie die Arme um ihre Knie. \u201eTrotzdem habe ich\nnie &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er stieg aus dem Bett und wandte sich ab, da senkte\nAbbey den Kopf und starrte auf die Matratze, um ihn nicht ansehen zu m\u00fcssen.\nMinuten verstrichen w\u00e4hrend er gedankenversunken auf und ab schritt. Pl\u00f6tzlich\nblieb er stehen und sie f\u00fchlte seinen Blick auf sich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd du w\u00fcnschst, dass ich &#8230;?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie nickte und zuckte zusammen, als er fluchte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTut mir leid, das ist mir zu heikel. Mit einer\nverheirateten Frau eine Aff\u00e4re zu unterhalten, ist eine Sache. Einem Mann aber\ndas Recht der ersten Nacht zu rauben, eine andere. Darauf werde ich mich nicht\neinlassen. Wir k\u00f6nnen uns gerne treffen, <em>nachdem <\/em>es passiert ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bitterkeit schwappte mit Galle vermischt in\nAbbeys Mund. Mit seiner Weigerung best\u00e4tigte er, dass sie vom Pech verfolgt\nwurde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd jetzt komm her, damit ich dir in dein Kleid\nhelfen kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zitternd und entt\u00e4uscht r\u00fcckte sie vom Bett und\nschlich zu ihm. Doch bevor sie sich nach dem Unterkleid b\u00fcckte, schmiegte sie\nsich an ihn, schlang die Arme um seinen Hals und zog seinen Kopf tiefer.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte, mein Mann will es nicht. Es ist ihm egal,\nob ich mit einem anderen schlafe.\u201c Ihre Stimme klang verzweifelt und sie\nverachtete sich insgeheim daf\u00fcr. Wie tief war sie gesunken, dass sie nach der\nAufmerksamkeit eines Fremden bettelte? Warum hatte sie zuvor nicht einfach den\nMund halten k\u00f6nnen? H\u00e4tte sie sich doch lieber die Zunge abgebissen! Sie w\u00fcrde\njetzt in seinen Armen liegen \u2013 Eamon, ihr Kummer, ihre Einsamkeit w\u00e4ren l\u00e4ngst\nvergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein. Such dir einen anderen daf\u00fcr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er hob die H\u00e4nde, um sich aus ihrer Umarmung zu\nbefreien.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte, einen letzten Kuss\u201c, flehte sie erstickt.\n\u201eSchickt mich nicht fort ohne einen letzten Kuss.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er atmete tief durch und neigte den Kopf. Auf\nhalbem Weg kam sie ihm entgegen und dr\u00e4ngte sich enger an ihn. Er schlang seine\nArme um sie und presste sie fest an sich, sodass sie jede Erhebung seines\nK\u00f6rpers ersp\u00fcren konnte. Welch ein wohltuendes Gef\u00fchl, diesem Mann so nahe zu\nsein! Ach, w\u00fcrde es niemals enden! Was g\u00e4be sie daf\u00fcr, diesen Augenblick\naufhalten zu k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Da wurde pl\u00f6tzlich, ohne Vorwarnung, die T\u00fcr\naufgesto\u00dfen. Erschrocken zuckte sie zusammen und wich zur\u00fcck, w\u00e4hrend K.M.\nherumfuhr. Ihr Herz begann zu rasen und sie b\u00fcckte sich nach ihrem Kleid, um\nsich dahinter zu verstecken. Dabei erhaschte sie einen fl\u00fcchtigen Blick auf den\nEindringling und G\u00e4nsehaut \u00fcberzog ihre Haut. Eamon stand reglos im T\u00fcrrahmen,\nsein Gesicht dr\u00fcckte Fassungslosigkeit aus. Das war zu viel. Derart entbl\u00f6\u00dft\nauf frischer Tat ertappt vor ihm zu stehen, lie\u00df sie erkennen, dass sie einem\nweitaufgerissenen, dunklen Schlund, der bereit war, sie zu verschlucken,\npreisgegeben war. Sie konnte sich kaum noch bewegen und musste sich zwingen,\nsich aufzurichten. M\u00fchevoll kam sie in die H\u00f6he und gewahrte, dass sich sein\nGesichtsausdruck ver\u00e4ndert hatte. Der unverhohlene Schmerz, der sich darin\nspiegelte, raubte ihr nahezu die Sinne. Er schwieg, stand vollkommen still und\nmusterte sie unverwandt. K.M. nutzte diesen Moment der Desorientierung und\nschl\u00fcpfte eilig in seine Hose.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDein Mann?\u201c, wollte er beil\u00e4ufig von Abbey\nwissen und sie nickte matt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist nichts geschehen\u201c, erkl\u00e4rte er und\nschnappte sich sein Hemd. \u201eGenaugenommen waren wir just dabei, uns zu\nverabschieden. Ihr k\u00f6nnt es \u00fcberpr\u00fcfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Beinahe-Geliebter klemmte sich die Stiefel\nunter den Arm, quetschte sich am Captain vorbei und st\u00fcrmte von dannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbey hielt das Kleid mit ihrem Kinn vor ihren\nK\u00f6rper und l\u00f6ste die Maske. Es stellte eine Herausforderung dar, denn sie\nzitterte mittlerweile wie Espenlaub. Achtlos lie\u00df sie ihre Tarnung fallen,\nbevor sie den sch\u00fctzenden Stoff wieder enger um sich zog. Ihr Herz trommelte in\nihrer Brust und sie \u00fcberlegte, weshalb er nichts sagte. Warum schrie er sie\nnicht an? Sch\u00fcttelte sie oder ergoss auf andere Weise seinen Zorn \u00fcber sie? Sie\nbiss die Z\u00e4hne zusammen und wagte einen weiteren Blick zu ihrem Mann. Der hatte\nsich noch immer nicht bewegt, doch etwas geschah hinter seiner Stirn. Die W\u00e4rme\nseiner Augen erlosch und machte eisiger K\u00e4lte Platz. Abbey schauderte und\nbeobachtete mit aufsteigender Panik, wie er sich abermals in einen Unbekannten\nverwandelte. Eamons Haltung ver\u00e4nderte sich langsam. Harte Linien klammerten\nseinen Mund ein und verst\u00e4rkten die maskenhafte Gl\u00e4tte, welche sein Antlitz wie\neine Gesteinsschicht \u00fcberzog. Es war f\u00fcrchterlich! Er war furchterregend und\nihre Lunge presste sich so fest zusammen, dass sie kaum noch Luft bekam. <em>Hilfe!,\n<\/em>schrie es in ihr und sie wollte sich nach einem Fluchtweg umsehen, doch\nhielt er sie in seinem Bann gefangen, aus dem sie sich nicht befreien konnte.\nSein Blick wanderte h\u00f6her und dann sah er sie an. Jegliches Wohlwollen, alle\nfreundlichen Gef\u00fchle f\u00fcr sie waren aus seinen Augen getilgt. Zwei eisigen\nGletschern gleich funkelten sie und \u00fcbertrugen ihre K\u00e4lte direkt in Abbeys\nHerz. Wenn er sie ber\u00fchrte, w\u00fcrde sie erfrieren, davon war sie felsenfest\n\u00fcberzeugt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMach dir nicht die M\u00fche, dich anzukleiden,\nAbbeygail\u201c, sagte er emotionslos und nannte sie das erste Mal bei ihrem\nrichtigen, vollen Vornamen. \u201eVon mir aus kannst du hierbleiben. Es besteht f\u00fcr\ndich kein Anlass, nach Hause zu kommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Zorn h\u00e4tte sie weniger ge\u00e4ngstigt als diese\nt\u00f6dliche Gelassenheit, die davon zeugte, dass er jegliche freundliche Regung\nabgesch\u00fcttelt hatte. Das hatte sie nicht gewollt. Himmel, was hatte sie getan?!<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button aligncenter\"><a class=\"wp-block-button__link has-background has-pale-pink-background-color\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Ein-unbelehrbarer-Captain-Junia-Swan-ebook\/dp\/B0892LLHBY\/ref=tmm_kin_swatch_0?_encoding=UTF8&amp;qid=&amp;sr=\">E-Book vorbestellen<\/a><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button aligncenter\"><a class=\"wp-block-button__link has-background has-pale-pink-background-color\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B08KGZZR7L\/ref=tmm_pap_swatch_0?_encoding=UTF8&amp;qid=&amp;sr=\">Taschenbuch<\/a><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; The water\nis wide, schottisches Volkslied<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um einen Mann zu bezwingen, bedarf es der Muskelkraft von zwei bis drei w\u00fcrdigen Gegnern. 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