

„Wer nur beobachtet, während andere leiden, versagt am Ende selbst. Ich weigere mich, weiterhin wegzusehen.“
Zwischen den Ideen der Revolutionäre und der Pflicht gegenüber seiner Familie hin- und hergerissen, sucht Philipe de Giraudon seinen Weg. Dabei entgeht ihm das Interesse der jungen Hofdame Laure. Noch ahnt er nicht, in welche Bahnen sie sein Leben lenken wird und welche Folgen sein zufälliges Treffen mit einer jungen Magd im Trubel von Paris nach sich ziehen wird.
Ein trockenes, verächtliches Lachen entfuhr dem Comte. „Ah, mein Junge, schon in Versailles hast du die Vorlesungen in Rhetorik geliebt, doch nun scheinst du dich in Träumereien zu verlieren. Die Welt wird nicht von Philosophen gelenkt, Philippe, sondern von Ordnung, Ehre und Loyalität.“
Der junge Mann lehnte sich ein wenig nach vorn. „Aber was bedeutet Ehre, wenn sie auf Unrecht beruht? Wozu dient Loyalität, wenn sie durch Unterdrückung gewonnen wird? Ich habe Männer getroffen, die glauben, dass der Mensch mehr vermag, wenn er aufgeklärt wird, wenn er die Möglichkeit hat, zu denken …“
Der Comte hob die Hand, und die flache Bewegung durchschnitt die Luft wie ein Befehl. Philippe verstumme. Die Stimme seines Vaters war schneidend, eisig, jede Silbe sorgfältig gewählt: „Vernunft, Gedanken, Philosophie … das sind feine Worte für Träumer. Hör mir gut zu, mein Sohn und vergiss nicht, was ich dir jetzt sage: Der Mensch wird immer Unrecht begehen, einerlei in welchem politischen System er lebt. Kann man glauben, dass Gesetze, Dekrete oder Verfassungen ihn auf Dauer zum Guten zwingen? Vielleicht bedingt. Aber nur der Glaube an Gott kann den Menschen wirklich verändern, ihn dauerhaft zur Tugend leiten. Alles andere ist eitle Hoffnung.“