

In seinem Gesicht entdeckte sie kein Verlangen, sondern nur ein undefinierbares Gefühl zwischen Reue und Sorge.
Ein miserabler Tag verleitet Guillaume Roux dazu, sich zu betrinken. Etwas, das er kurze Zeit später zutiefst bereut. Denn plötzlich hat er eine Schuld auf sich geladen, die nicht mit einer einfachen Entschuldigung abgetan werden kann. Zugleich bringt sein schwerer Fehler etwas ins Rollen, das sich Jahre später auf das Leben Vieler auswirken wird.
„Du gehst mir nicht aus dem Kopf.“
Mirela kniff die Augen fest zusammen und drückte die Arme an ihre Seiten, bis sie felsenfest davon überzeugt war, dass ihr Inneres in die Füße gesackt war und sich in ihren Zehenspitzen versteckte. Ganz weit weg von ihrem Herzen. Trotzdem konnte sie nicht vergessen, dass Toma ihr nicht geholfen, sie diesem Wolf zum Fraß vorgeworfen hatte. Für ein paar Münzen. Für ein paar verdammte Münzen.
„Ich hätte nicht …“, zischend stieß Guillaume die Luft aus. „Vorgestern war ein jämmerlicher Tag für mich und ich habe zu viel getrunken.“
Wieder befürchtete sie zu ersticken und sie hob in einer ruckartigen Bewegung die Hand und presste sie auf jene Stelle über ihrer Brust, wo das Herz wie ein gefangener Vogel gegen ihre Rippen schlug. Ach, könnte sie doch davonfliegen!
„Ich werde das in Ordnung bringen.“
Sie wollte ihm nicht zuhören und hoffte, die Erde würde sich auftun und ihn verschlingen. Und doch hörte sie in seinem Geständnis eine Frage. Die naive, widerwärtige Hoffnung auf Absolution.
„Was kann ich tun?“
Als sie schwieg, trat er einen Schritt auf sie zu. Mirela wich nicht zurück – sie war unverändert vor Schreck und Schwäche wie festgefroren. Da drehte er sich halb um und deutete in Richtung ihres ärmlichen Lagers.
„Es fehlt euch an allem, nicht wahr?“
Sie bündelte ihr letzten Kräfte, hob die Hand höher und legte sie schützend über ihre Augen. Sekundenlang drückte das Gewicht seiner riesigen Pranke auf ihre Schulter – warm und bleiern. Seine Finger pressten sich etwas zusammen, bevor er sie wieder fortzog.
„Noch heute Nachmittag werde ich euch Most bringen. Und ein paar Steckrüben, Karotten. Fleisch vielleicht.“