

„Dummes, dummes Ding, du. Sollen sie doch alle glauben, was sie wollen! Zur Hölle mit ihnen!“
Die Zigeunerin Mirela zieht mit ihrer Familie und ihrem Clan durch Frankreich. Von den Menschen gehasst und abgelehnt, führt sie ein Leben am Rande der Gesellschaft. Im Laufe der Jahre verschlechtert sich der Status ihres Volkes zunehmend, bis ihrer aller Leben keinen Wert mehr hat und sie als vogelfrei gelten. Im Jahre 1787 ahnt sie noch nichts von den großen Umbrüchen, die sie schließlich auch über die Grenze Frankreichs hinaus führen werden.
„Mädel, was treibst du hier?“
Seine Augen fanden ihre, doch sie senkte schnell den Kopf, wollte ihn nicht ansehen.
„Ich …“ Ihre Stimme brach, schmerzte in ihrem aufgerauten Hals.
Ein weiterer Schritt in ihre Richtung und sie schloss die Augen. Ihr wurde immer kälter, bald würde das Eis in ihr sie zerbrechen.
Seine Hand war unverschämt warm, als er sie unter ihr Kinn legte und es höher drängte. Sie wimmerte vor Angst und öffnete die Augen. In seinem Gesicht entdeckte sie kein Verlangen, sondern nur ein undefinierbares Gefühl zwischen Reue und Sorge. Sein Daumen glitt über ihre aufgesprungenen Lippen und ihre Knie gaben nach. Mit einem schnellen Griff fing er sie auf, schlang einen Arm um ihre Taille und drückte sie an sich.
„Du bist kalt wie der Tod.“
Ihr Magen verkrampfte sich und sie keuchte, wagte aber nicht, ihm ins Gesicht zu schleudern, dass dies allein seine Schuld war. Dass er sie mit seiner schändlichen Tat aus ihrem Heim vertrieben hatte. Ihr Kinn unverändert zwischen seinen Fingern eingeklemmt, zog er die Augenbrauen zusammen, studierte sie mit einem Ernst, der sie zusätzlich lähmte. Gleich sterbe ich! Da glitt ein Funken Verstehen über seine Züge.